Laeken - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat nach eigenen Angaben am Nachmittag beim EU-Gipfel Mindeststandards für Atomkraftwerke und eine Verlängerung der Ökopunkte-Regelung verlangt. Österreich leiste mit 175 Mrd. Euro über fünf Jahre so hohe Investitionen, dass man ein Recht auf eine Übergangslösung habe. Die EU-Kommission habe daraufhin für sensible Zonen eine ein bis zweijährige Übergangszeit angeboten. Das sei aber zu wenig, Österreich wolle eine Lösung für ganz Österreich, die mindestens drei Jahre gilt. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte demgegenüber vor der Presse, es habe eine "Einigung zu den Ökopunkten" gegeben. Die EU-Kommission habe sich zu einer Überbrückungsregelung von zwei bis drei Jahren verpflichtet. Österreich habe sich daraufhin am Freitag, bereit erklärt, "das Verkehrskapitel mit den Beitrittskandidaten zu eröffnen". Gemeint ist damit, dass die EU eine gemeinsame Verhandlungsposition für die Beitrittsverhandlungen im Verkehrsbereich beschließt. Prodis Sprecher Jonathan Faull wiederum sagte, auf Prodis Aussagen angesprochen, die EU-Kommission sei bereit zu Vorschlägen, wenn es beim Gipfel zu einer Einigung der Mitgliedsländer, etwa in der Schlusserklärung des Gipfels, kommen sollte. Der Sprecher von EU-Verkehrskommissar Günter Verheugen meinte, Prodi sei sehr zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen und Österreich daraufhin das Verkehrskapitel freigeben werde. Prodi habe zwar für den Geltungsbereich der Übergangsregelung (nur sensible Zonen oder ganz Österreich, Anm.) Flexibilität angedeutet, dennoch aber eine Präferenz dafür geäußert, dass nur sensible Zonen umfasst sein sollten. Zu den Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke habe es eine "sehr kontroversielle" Debatte" gegeben, sagte Schüssel weiter. Aber das Thema sei nun "auf dem Tisch". "Wir werden sehen, wie weit wir kommen", so Schüssel in Anspielung darauf, dass nun alles darauf ankommt, welche Formulierung in der Schlusserklärung vom morgigen Samstag stehen wird. Der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker sagte vor der Presse, sein Land sei mit der österreichischen Forderung nach Mindeststandards einverstanden. Zwölf EU-Länder hätten keine Atomprogramme oder planten den Ausstieg. Da sei ein Nachdenken über Mindestnormen nötig. EU unterstützt internationale Anstrengungen in Afghanistan Der EU-Gipfel von Laeken wird in seiner Schlusserklärung "internationale Anstrengungen" zur Schaffung von Stabilität in Afghanistan begrüßen, kündigte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Abend vor der Presse an. Damit reagiere der Europäische Rat auf eine "gewisse Unruhe" durch "gut gemeinte" Äußerungen des belgischen Außenministers Louis Michel, sagte Schüssel. Die Gipfelerklärung sei ein Signal, dass die EU handeln werde - "natürlich über die Mitgliedsländer und nicht mit einer EU-Truppe", so Schüssel. Dennoch sei es "ein sehr wichtiger Schritt nach Vorne", dass die EU-Staaten erstmalig gemeinsam den Beschluss zur Teilnahme an einem internationalen Einsatz außerhalb Europas fassten. Österreich werde ebenfalls einen Beitrag leisten, der "mit unseren Möglichkeiten übereinstimmen muss". Dabei sei insbesondere an einen humanitären Einsatz zu denken. Schüssel äußerte sich auch "sehr froh", dass laut Eurobarometer-Umfrage in jüngster Zeit die Zustimmung zur Osterweiterung deutlich - um 13 Prozentpunkte auf 46 Prozent - gestiegen sei. Auch befürworteten 68 Prozent der Österreicher den Euro. Die Österreicher würden erkennen, dass durch konsequente Umsetzung eine Antwort für objektive Probleme zu finden sei, schließt Schüssel daraus. (APA)