Magdeburg - Wissenschaftler der Universität Magdeburg haben erstmals Krebszellen von Mäusen in schlagende Herzmuskelzellen umgewandelt. Die Forscher wollen mit ihnen die Ursachen weit verbreiteter Herzerkrankungen aufklären. "Die Zellkulturen sind praktisch unerschöpflich, so dass auf Tierversuche weitgehend verzichtet werden kann", sagte Uwe Lendeckel vom Institut für Experimentelle Innere Medizin der Universität Magdeburg. Ihre Eigenschaften seien mit denen embryonaler Stammzellen zu vergleichen. Unter kontrollierten Laborbedingungen beginnen sie wie die Zellen des Herzmuskels im regelmäßigen Rhythmus zu schlagen."Wir haben eine Methode der elektrischen Stimulation entwickelt, um die Schlagfrequenz zu steuern", erklärt Andreas Götte von der Universitätsklinik für Kardiologie. Dadurch sei es nun möglich, die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen, das so genannte Vorhofflimmern, unter kontrollierten Bedingungen in der Kulturschale zu simulieren. Rund fünf Prozent der über 60-Jährigen und mehr als 15 Prozent der über 80-Jährigen leiden unter Vorhofflimmern. Aus bislang noch unverstandenen Gründen gerät dabei die geordnete Aktivität der Herzmuskelzellen durcheinander, was die Gefahr von Schlaganfällen deutlich erhöht. Eine Behandlung mit Medikamenten sei bislang nur sehr eingeschränkt möglich, sagte Götte. Zellersatz schaffen Langfristiges Ziel der Wissenschaftler ist es, einen Zellersatz für defekte Herzmuskelzellen erkrankter Menschen zu schaffen. Sie könnten in Zukunft vielleicht den Einsatz von Herzschrittmachern überflüssig machen. An den Experimenten sind Forscher der Magdeburger Universitätsklinken für Kardiologie und für Herzchirurgie sowie des Instituts für Experimentelle Innere Medizin beteiligt. Bei der Entwicklung der Zellkulturen erhielten sie Unterstützung von der Stammzellforscherin Anna Wobus vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben und von Wissenschaftlern der Emory-Universität in Atlanta. (pte)