Zagreb - Ein Richtungsstreit innerhalb der sozialliberalen HSLS bringt die kroatische Regierungskoalition wieder einmal ins Wanken. Zuletzt sorgten zwei Interviews des früheren Präsidentschaftskandidaten und Ex-Parteichefs Drazan Budisa für Aufsehen. Er kritisierte den HSLS-Vizepremier Goran Granic wegen dessen Naheverhältnis zum sozialdemokratischen Ministerpräsident Ivica Racan (SDP). Aber auch an Verteidigungsminister Jozo Rados ließ Budisa gegenüber den Tageszeitungen "Vecernji list" und "Novi list" kein gutes Haar. Rados könne die Unabhängigkeit der HSLS nicht gewährleisten. Der Hintergrund für diese Angriffe scheint auf der Hand zu liegen: Rados ist Gegenkandidat Budisas bei der bevorstehenden Wahl zum Parteichef am 2. Februar des kommenden Jahres. Die interne Spaltung der zweitstärksten Regierungspartei begann spätestens im Juli dieses Jahres, als der Parteivorstand beschloss, dass die HSLS einer Auslieferung kroatischer Generäle an das UNO-Tribunal von Den Haag nicht zustimmen werde. Zwei Minister scherten aber aus und stimmten dafür. Budisa trat daraufhin am 11. Juli als Parteivorsitzender zurück. Die Basis verlangt seine Rückkehr an die Parteispitze, die HSLS-Minister wollen jedoch ihre Posten behalten. Daher sträuben sie sich dagegen. Sollte Budisa, der im Zusammenhang mit der umstrittenen Zusammenarbeit Kroatiens mit Den Haag zunehmend seine nationalkonservativen Wurzeln wieder entdeckte, Anfang Februar tatsächlich wieder zum HSLS-Chef gewählt werden, sehen viele die Koalition in Gefahr. So glaubt etwa der frühere HDZ-Außenminister Mate Granic, der nunmehr dem Demokratischen Zentrum (DC) vorsteht, offenbar die Gunst der Stunde sei gekommen. "Die Interviews von Budisa deuten auf Neuwahlen hin", erklärte Granic, "nach diesen Aussagen können Budisa und Racan keine gemeinsame Sprache mehr finden." Ganz so extrem wollte es Budisa dann aber doch nicht gemeint haben. "Ich bin immer für Zusammenarbeit offen, daher könnte ich auch mit Racan weiter kooperieren." (APA)