Wien - In der Aufarbeitung des ersten BSE-Falles in Österreich gerät nun der betroffene Schlachthof in Martinsberg, wo die kranke Kuh aus Groß-Höbarten gekeult worden war, immer mehr unter Beschuss. In Format übt jener Beschautierarzt, der die positive BSE-Probe gezogen und dabei zwei Testbehälter vertauscht hatte, massive Kritik. "An diesem Schlachthof herrschen seit Monaten skandalöse Zustände", behauptet der Veterinär aus dem Bezirk Zwettl.

Es fehle am nötigen Personal, um alle Arbeiten vorschriftsmäßig durchzuführen. So kämen immer wieder Tiere mit schmutzigem Fell in die Schlachtkette, wodurch auch Schmutz in den Schlachtkörper gerate. Zudem seien die Desinfektionsbecken meistens mit einer dicken Fettschicht überzogen. "Es kann durchaus passieren, dass BSE-verseuchte Rinder übersehen werden und in den Handel gelangen", behauptet der Tierarzt. Da BSE-Testrinder und Jungtiere durcheinander geschlachtet würden, "könnten potenzielle BSE-Rinder ihre infektiösen Spuren auf der Gerätschaft hinterlassen".

Wie DER STANDARD berichtete, hatte SPÖ-Agrarsprecher Heinz Gradwohl vergangene Woche im Parlament erklärt, er wisse aus "gut informierten Kreisen", dass die EU-Kommission die Schließung des Schlachthofes beantragt habe. Der Betrieb habe den EU-Richtlinien nicht entsprochen. Es sei zu klären, ob und allenfalls wer für den Betrieb interveniert habe. Gesundheitsminister Herbert Haupt (FP) bestätigte bisher lediglich, dass am Tag der Schlachtung des BSE-Rindes EU-Kontrolleure in Martinsberg gewesen seien. (red) (DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2001)