Wien - Die Schwierigkeiten begannen schon vor dem 11. September: Die großen US-Stahlunternehmen hatten mit schwachem Geschäft zu kämpfen. Nach dem 11. September mussten einige von ihnen Antrag auf Aufnahme in die Chapter-11-Liste für insolvenzgefährdete Betriebe machen. Die Folge: Auch die Zulieferer der Stahlunternehmen kamen gehörig unter Druck - darunter RHI. Die Österreicher liefern den Stahlgrößen unter anderem feuerfeste Ausstattung für Stahlöfen. Das eingebrochene Geschäft in den USA wird die Zahlen der RHI aller Voraussicht nach tiefrot einfärben - rund 108 Millionen Euro, umgerechnet fast 1,5 Milliarden Schilling, rechnet Alfred Steininger, zuständiger Analyst bei der Raiffeisenzentralbank (RZB), vor. "Der Verlust je Aktie wird für das Gesamtjahr bei minus 5,43 Euro liegen." Dabei hatte der Analyst noch vor dem 11. September plus 32 Cent je Aktie geschätzt. Die zusätzlichen Rücklagen, die das Unternehmen wegen dem miesen US-Geschäft machen musste, machen laut Steininger etwa die Hälfte des Verlustes je Aktie aus. So schätzt er die Gesamtkosten für die Restrukturierung in den USA auf 55 Mio. Euro. Das will Andreas Meier, Vorstandssprecher der RHI, nicht bestätigen. Diese Woche wird der Aufsichtsrat auf jeden Fall zusammensitzen und die geplante Restrukturierung wohl absegnen. Damit verbunden ist wie berichtet die Aufgabe von zumindest zwölf der 24 US-Werke. Einig ist sich Meier mit Steininger dagegen in der Hoffnung auf ein besseres Geschäft im nächsten Jahr: "Erste Anzeichen einer Erholung mit Jahresmitte in den USA sind da." Der RZB-Analyst packt seinen Optimismus auch in den Schätzungen für nächstes Jahr rein: Da setzt er einen noch leichten Verlust je Aktie von minus 13 Cent an. Der Grund dafür: Das erste Halbjahr werde noch schwach, dafür das zweite besser werden. Vertrauen steigt Daran scheint auch der Wiener Aktienmarkt zu glauben. So legte das RHI-Papier vergangene Woche ein Plus von fünf Prozent hin. Die Analysten der Erste Bank werteten dies als Indiz für das steigende Vertrauen in das Management der RHI und dessen Restrukturierungspläne. Wie berichtet, wird der ehemalige ÖBB-Chef Helmut Draxler am 14. Jänner das Ruder bei dem Feuerfesthersteller am Wienerberg übernehmen. Ihm wird zugetraut, das Unternehmen wieder auf feste Füße zu stellen. Derzeit hat RHI Schulden in der Höhe von zwölf Milliarden Schilling bei diversen Banken. In fast wöchentlichem Takt sitzen Vertreter dieser Banken mit Experten der Unternehmensberatung Roland Berger und der ersten Führungsriege der RHI zusammen. (Esther Mitterstieler, der Standard, Printausgabe, 17.12.01)