Ein neues Rundfunkgesetz soll in Serbien künftig die Vergabe von Frequenzen für Radio- und TV-Stationen neu regeln. Bereits im Vorfeld kam es jedoch zu heftigen Diskussionen. So fühlen sich ehemals regimekritische Medien wie der Radio- und Fernsehsender "B 92" von der Regierungskoalition DOS schwer benachteiligt. Die Sender, die während der Ära von Slobodan Milosevic Mut gezeigt hätten, würden zwar Auszeichnungen erhalten, kritisierte "B 92"-Chef Verna Matic neulich in einem Streitgespräch mit Ministerpräsident Zoran Djindjic, bei den Frequenzen hätten aber Sender mit populären Programminhalten bessere Karten.Hohe Einschaltquoten für "Pink" und "BK" Sender wie "Pink" und "BK" galten zu Zeiten von Milosevic als regimefreundlich. Sie haben aber auch nach der Wende hohe Einschaltquoten bewahrt. Grund zur Zufriedenheit kann vor allem "Pink"-Geschäftsführer Zeljko Mitrovic, ein ehemaliger JUL-Politiker, haben. Mit Quoten, die bei 30 Prozent liegen, ist der TV-Sender weiterhin Spitzenreiter, gefolgt vom staatlichen TV-Sender (22 Prozent) und "BK" mit 13,3 Prozent. Der TV-Sender "B-92", der erstmals am 5. Oktober 2000 sein Programm ausstrahlte, muss sich hingegen wegen seiner kleinen Frequenz mit knapp zwei Prozent der Zuschauer begnügen. Unter Milosevic gehörten "Pink" und "BK" zu jenen wenigen Privatsendern, die neben dem staatlichen Sender eine Lizenz erhalten hatten. Nach der Wende bewahrten diese privilegierten Medienunternehmen zunächst ihre Position dank eines Moratoriums für alle Frequenzgenehmigungen. Sie haben meist auch jetzt gute Chancen, in Zukunft weiter zu den "Großen" zu zählen. Die Tatsache, dass sich ihre Besitzer blitzschnell an die neuen Verhältnisse angepasst haben, soll dabei allerdings nicht ausschlaggebend gewesen sein. Chaotische Zustände Ganz generell herrschen im Bereich der elektronischen Medien nach wie vor chaotische Zustände. Daher wird in Serbien derzeit an einem neuen Rundfunkgesetz gearbeitet. Eine Vielzahl von Radiostationen, die unter dem Regime von Slobodan Milosevic keine Lizenz erhielten, arbeiten noch immer als Piratensender. Rade Veljanovski, der Leiter der Arbeitsgruppe für die Ausarbeitung des neuen Rundfunkgesetzes, erwartet, dass das Gesetz in den ersten Monaten kommenden Jahres erlassen wird. Gleichzeitig intensiviert sich der Wettkampf der Sender, die um landesweite Frequenzen bemüht sind. In Serbien gibt es zur Zeit an die tausend Rundfunk- und TV-Sender. Durch das Rundfunkgesetz soll ihre Zahl nach einer Übergangsphase auf etwa 300 bis 350 reduziert werden. Alle Sender werden sich nämlich neu um Frequenz- und Sendegenehmigungen bewerben müssen. Anstieg bei Werbeeinnahmen Besonders attraktiv dürften die landesweiten Frequenzen werden. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass solche Frequenzen neben dem aktuellen staatlichen Sender, der in eine öffentlich-rechtlichen Anstalt mit zwei TV- und drei Rundfunkprogrammen umgewandelt werden soll, nur noch zwei oder drei andere Fernsehstationen bekommen. Während sich der öffentlich-rechtliche Sender über die Einnahmen von Gebühren finanzieren soll, sind die Privatsender auf Werbeeinnahmen angewiesen. Diese haben im Vorjahr ein Ausmaß von gut einer Milliarde Schilling gegenüber 270 Millionen Schilling zwei Jahre zuvor erreicht. Ein weiterer Anstieg wird erwartet. 45 Prozent der Werbegelder flossen heuer "Pink" zu. "B-92", der ebenfalls um eine landesweite Frequenz bemüht ist, musste sich hingegen mit einem Prozent begnügen. Gerade die Werbeeinnahmen dürfte auch der Leiter der Assoziation der Unabhängigen Elektronsichen Medien (ANEM), Veran Matic, im Sinn gehabt haben, als er gegenüber Djindjic die schwierige Lage der ehemals regimekritischen Medien anprangerte. Bei "B-92" wurde eine Karikatur von Djindjic, der eine Auszeichnung an ein TV-Gerät hämmert, zum Symbol erhoben. Sie gilt als öffentlicher Appell zur Regelung der Frequenzfragen. Allerdings soll das Rundfunkgesetz den gegenwärtig starken Einfluss der DOS-Führung auf einzelne Medien stark reduzieren. Dafür wird künftig der Rundfunkrat sorgen. Eine Institution, die es in Serbien bisher nicht gegeben hat. (APA)