Graz - Unerwarteten Erfolg hatte ein zeithistorischesAusstellungsprojekt von Grazer Gymnasiasten in der Grazer Synagoge."Der Koffer der Adele Kurzweil" stand im Mittelpunkt dergleichnamigen Schau, die das Schicksal eines jüdischen GrazerMädchens dokumentierte. Innerhalb von vier Wochen hat sie 2.000Besucher angelockt. Auf Grund weiterer Nachfrage sowohl vonsteirischen und österreichischen Schulen und Bildungsinstitutionengeht die Ausstellung nun auf Wanderschaft. Bis Oktober nächstenJahres ist die Schau bereits ausgebucht. Bis nach Südfrankreich sind 16 Grazer Mittelschüler im Rahmeneines Projektes des Vereines "Jugend gegen Gewalt und Rassismus"gereist, um das Schicksal einer jüdischen Familie, die im Jahr 1938vor den Nationalsozialisten aus Graz flüchten musste, zurekonstruieren. Mit drei dicken Dokumentenmappen und umfangreichenInterviews mit Zeitzeugen sind die 15 Schüler von ihrem Aufenthaltaus Montauban zurückgekehrt und haben eine Ausstellung erarbeitet,die bis Mitte Dezember in der Synagoge Graz gezeigt wurde. Erfolg Rund 2.000 Besucher hätten die Ausstellung gesehen, soProjektleiterin Bettina Ramp. "Am meistengefreut hat uns, dass sich im Rahmen der Ausstellung noch dreiweitere Zeitzeuginnen gemeldet haben, die Adele Kurzweil nochpersönlich kannten" so die Historikerin. Mit den Führungen, die von den Schülern selbst gehalten wurde, seiman an die Grenze des personell und zeitlich Möglichen gegangen,erklärte die Projektleiterin. "Wir haben ganz gegen unsere Erwartungvier Führungen pro Tag veranstaltet, und dennoch haben vieleInteressenten keine Möglichkeit mehr gehabt, die Ausstellung zusehen". Daher habe man sich dazu entschlossen, die Schau nun alsWanderausstellung anzubieten. Zunächst wird die Dokumentation an zweiGrazer Mittelschulen zu sehen sein, im April geht sie weiter nachOberösterreich, dann wieder zurück in die Südsteiermark und imOktober wieder an eine Grazer HTL. Beeindruckt von der Breitenwirkung des Grazer Schülerprojekteszeigte sich Landesschulratspräsident Horst Lattinger: "Ein wirklichgelungenes Projekt im Sinne eines Lernen mit allen Sinnen und einwertvoller schulischer Beitrag im Rahmen der politischen Bildung", soder Präsident des Landesschulrates für Steiermark, der nun auch dasFolgeprojekt der begeisterungsfähigen Schülergruppe unterstützt. Nunwollen die Schüler eine Videodokumentation mit 50 Zeitzeugen derletzten 90 Jahre (1918 - 2001) erstellen. Weitere interessierte,engagierte Schüler werden noch ins Team aufgenommen. (APA)