Yassir Arafat, von seinen Ärzten für die lange Rede gut "eingestellt", hat getan, was international von ihm verlangt wurde. Auf Arabisch, das heißt auch für "interne Konsumation", hat er nicht nur die Einstellung der palästinensischen Selbstmordattentate verlangt, sondern - mit der Erwähnung der "Mörser" - auch das Ende der Gewalt gegen jüdische Siedlungen im besetzten Gebiet. Das kommt dem Aufruf gleich, die Intifada zu beenden. Wie weit er dieses Ende auch selbst betreiben wird und vor allem, ob das dann der israelischen Regierung von Ariel Sharon genügt, wird man sehen. Einstweilen ignoriert dieser die Rede des "irrelevanten" Palästinenserführers, Hamas und Djihad hingegen reagierten - mit der Ankündigung, die Befehle Arafats ignorieren zu wollen.

Es war nicht anders zu erwarten. Nach fünfzehn Monaten des Lavierens und des Spiels mit der Gewalt versucht Arafat, auf einen Schlag das Ruder herumreißen, wieder das Primat der Politik auszurufen. Seine Rede beinhaltet nichts anderes als das Eingeständnis des totalen Scheiterns der Intifada. Die Angriffe auf Israel und auf israelische Einrichtungen im besetzten Gebiet schadeten, so Arafat, der Palästinensischen Autonomiebehörde, dem internationalen Ruf und damit der Sache der Palästinenser - und das ist euphemistisch ausgedrückt. De facto liegt alles in Trümmern, Arafat nahm seine Rede quasi in Angesicht von israelischen Panzerrohren auf.

Vor allem aber, so Arafat weiter, gebe die palästinensische Gewalt Sharon Argumente in die Hand, gegen den werdenden palästinensischen Staat vorzugehen. Späte Erkenntnis. Die Festnahme vom Nachfolger Faisal Husseinis in Ostjerusalem, Sari Nusseibeh - der übrigens jüngst Arafat in einem offenen Brief aufgefordert hat, die Forderung nach dem Rückkehrrecht fallen zu lassen -, hätte vor nicht allzu langer Zeit internationale Proteststürme ausgelöst. Heute kümmert das keinen mehr.

(DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2001)