Das Ergebnis der Regionalwahlen in der Slowakei bestätigt, was Umfragen seit langem signalisieren: Der umstrittene ehemalige Regierungschef Vladimír Meciar hat gute Chancen, zum dritten Mal an die Macht zurückzukehren. Meciars Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS) stellt in sechs der acht Regionen, die durch die Verwaltungsreform geschaffen wurden, den Präsidenten. Nur in der westlichen Hauptstadtregion und im östlichen Kosice sitzt ein Vertreter des rechten Lagers der Regierungskoalition an der Spitze.

Nun soll man diese Wahlen nicht überbewerten, allein wegen der äußerst niedrigen Beteiligung von knapp 23 Prozent im zweiten Durchgang. Meciar konnte trotz des geringen Wählerinteresses die dichte Organisationsstruktur seiner Partei nutzen.

Die Parteien der breiten Regierungskoalition unter dem Christdemokraten Mikulás Dzurinda haben dem nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Zudem befindet sich die Koalition in Auflösung. Das Wahlergebnis vom Wochenende wird die Vorbereitung neuer Formationen mit Blick auf den nationalen Urnengang im Herbst 2002 noch beschleunigen.

Meciar wurde 1998 von einer Koalition abgewählt, die den Premier wegen seines autokratischen Regierungsstils, seiner fragwürdigen Methoden gegen Opposition und Medien und seiner unklaren Haltung zur europäischen Integration der Slowakei zu Recht als unkalkulierbares Risiko darstellte. Bei den Parlamentswahlen 2002 - das steht spätestens seit dem vergangenen Wochenende fest - wird es diese geschlossene Anti-Meciar-Front nicht mehr geben. Das muss kein Nachteil sein - wenn die modernen, reformbereiten Kräfte der Slowakei auf kleinkarierte Parteitaktik zugunsten einer weitsichtigen, sachorientierten Politik für die Zukunft des Landes verzichten.

(DER STANDARD, Printausgabe; 18.12.2001)