Handelsangestellte in Einkaufszentren haben sich bei der Gewerkschaft über die Dauerberieselung mit Weihnachtsliedern beschwert (laut Gewerkschaft der Privatangestellten in Oberösterreich). Na gut, aber wo ist die Gewerkschaft für die Kunden, die sich dieses Gedudel anhören müssen? Wo ist die Telefonseelsorge für Menschen mit vermeintlich freiem Willen, denen von einer Person ihres Haushaltes verordnet wird, am 24. Dezember von früh bis spät "Es ist ein Reis entsprungen", dargeboten von den Original Wiener Zuckerbuben, oder "Little Drummerboy" in der Tekkno-Fassung, aufzulegen? ("Schatz, mach doch ein bisserl weihnachtliche Stimmung!")Dennoch - Solidarität mit den Handelsangestellten, die diesen Brei von Gesummse, Geflöte, Trompetengetröte, diesen räudigen Klangteppich von ausgesungenen Tenören und jauchzenden Chören, dieses Gefudel und Gesäusel, diese folternde Zwangsbeglückung für jeden musikalischen Menschen den ganzen Arbeitstag ertragen müssen. Und jede Wette, dass die Kunden durch diesen akustischen Zuckerschock garantiert nicht "auf Weihnachten eingestimmt" werden, wie ein Vertreter der Wirtschaftskammer meint? (DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.12.2001)