Salzburg - Ab 2. Jänner kommenden Jahres haben die Hörer im Zentralraum Salzburg neben den ORF-Programmen, den bayerischen Sendern und drei Privatstationen noch ein zusätzliches Radioangebot. Die Frequenz 107,5 Megahertz wird wochentags zwischen 5:00 Uhr und 18:00 Uhr vom kommerziellen "Cityradio" genutzt, nächtens und am Wochenende kommt das freie Radio "Radiofabrik" zum Zug.Kein leichter Start Das ungleiche Gespann hat freilich keinen leichten Start. Die lokale Ausgabe der Kronen Zeitung schreibt in ganzseitigen Artikeln und Kommentaren gegen das neue Radio. Dabei ist nicht die in der "Arge Kulturgelände-Nonntal" beheimatete alternative "Radiofabrik" ins Fadenkreuz des Kleinformates geraten, sondern das "Cityradio". Was die Krone besonders stört: Das "Cityradio" wird auch in den städtischen O-Bussen zu hören sein. Die Krone stellt etwa einen indirekten Zusammenhang zwischen Fahrpreiserhöhungen und dem Busradio her. Für das Kleinformat wurden dazu sogar Schüler abgelichtet, die sich aus Protest gegen das Busradio die Ohren zuhalten. Ein heißes Match Das Match ist heiß: Denn über die Kampagne gegen das Stadtradio legt sich das Kleinformat auch mit dem Energieriesen Salzburg-AG an, in dessen Eigentum sowohl die städtischen Verkehrsbetriebe - also die O-Busse - als auch mehrheitlich das von der Salzburg-AG-Tochter "Objekt-Werbung" betriebene "City-Radio" steht. Dass die Krone letztlich möglicherweise keine guten Karten hat, zeigt die gelassene Reaktion der Salzburg AG. Unternehmenssprecher Sigi Kämmerer wischt im STANDARD-Gespräch die Artikelserien als "völlig abstrus" vom Tisch. Kämmerer weist darauf hin, dass nur ein Teil jedes Busses "beschallt" werde, die Fahrgäste also auch weiterhin die Wahl hätten zwischen Busfahren mit oder ohne Radioangebot. Für ihn ist das Busradio eine "sehr charmante Idee", die mithelfen könne, den jährlichen Abgang der Verkehrsbetriebe von bis zu 100 Millionen Schilling (7,27 Millionen Euro) zu verringern. Auch Stadtradiomacher Josef Taferner kommentiert die Polemiken gelassen. Er verweist auf "andere Interessen der Krone", die ja selbst im Privatradiogeschäft mitmische. Konkurrenzneid vermutet schließlich auch Fred Kendlbacher von der "Objekt-Werbung: Er vermutet einen Zusammenhang mit der Kooperation der Salzburg AG mit den Salzburger Nachrichten im Internetbereich. (neu/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 18. Dezember 2001)