Es gibt Menschen, die bleiben bescheiden. Arbeiten lieber in Ruhe im Hintergrund. Machen keine großen Worte.Und es gibt Menschen, die machen Karriere. Stehen im Mittelpunkt. Suchen Ruhm. Machen große, leere Worte. Und es gibt Menschen wie Josef Penninger. Er arbeitet längst nicht mehr nur im Hintergrund irgendeines molekularbiologischen Labors. Science bittet ihn um Kommentare, wenn andere Spitzenforscher wieder eine Genfunktion entschlüsseln. Der Biotech-Riese Amgen machte Penninger zu seinem "Principal Investigator". Und ein internationales Komittee der Akademie der Wissenschaften traut dem 37-Jährigen zu, ein neues Forschungzentrum mit 7,3 Mio. Euro (100 Mio. S) Budget aufzubauen (DER STANDARD berichtete). Gestern nahm ihn die Akademie auch formell als Wissenschaftsdirektor des Instituts für molekulare Biotechnologie (IMBA) unter Vertrag. Und Josef Penninger schwingt noch immer keine großen, leeren Reden. Eher schon spricht er große Worte gelassen aus. "Ich will nach Wien kommen, um einen Unterschied zu machen." Seine Mission für den Forschungsstandort: Wien soll Chicago, mehr noch - Wien soll Harvard werden. Dafür gibt er den Spitzenjob bei Amgen in Toronto auf, wo er den Gen-Hintergrund von Krebs erforscht. Schon seit er im Studium auf die immunologischen Forschungen seines Doktorvaters Georg Wick gestoßen ist, sei er aus dessen Labors nicht wegzubekommen gewesen, erzählt die Fama. "Die Kollegen", erinnert sich Penninger an die Innsbrucker Lehrjahre, "haben mich für wahnsinnig gehalten, weil ich am 1. Jänner ins Labor gegangen bin." "Gscheit sind viele", kommentiert Wick, heute Leiter des Instituts für Alternsforschung, "aber er ist auch fleißig." So fleißig, dass ihm das Leben im Labor schon damals nicht genügte. Und so studierte er en passant auch noch Kunstgeschichte. "In diesen Fragen", gesteht Wick, "hab' ich viel von ihm gelernt." Und dem "echten Partner" dann den IMBA-Job anempfohlen. Penninger kommt übrigens nicht allein nach Wien: Seine Frau Liquin Zhang, Ärztin für Chinesische Medizin, muss ihr Akupunkturinstitut in Kanada aufgeben. Dafür lässt ihr drittes Kind, derzeit unterwegs, bald eh wenig Zeit. Seine eigene Kindheit verbindet der Forscher, dem kürzlich auch die US-Ausgabe von Esquire eine Story widmete, mit den Mühen seiner Eltern, die Familie mit dem Kleinbauernhof (zehn Kühe) in Gurten im Innviertel durchzubringen. Vater Penninger musste auswärts dazuverdienen. "Meine Eltern", sagt der Nobelpreiskandidat, "sind überhaupt die wirklichen Heroes, die mich beeindruckt haben." Vielleicht der Grund, warum Penninger bescheiden geblieben ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 12. 2001)