Port-au-Prince - Nach dem gescheiterten Putsch auf Haiti haben Oppositionspolitiker Präsident Jean-Bertrand Aristide vorgeworfen, den Staatsstreich inszeniert zu haben, um gegen Kritiker vorzugehen. Der Oppositionsführer Evans Paul nannte am Dienstag die Regierungsangaben absurd, wonach 33 Angreifer den Präsidentenpalast gestürmt hätten. Dieser sei von hunderten Sicherheitskräften bewacht, sagte Paul. Außerdem sei allgemein bekannt, dass Aristide sich nur selten nachts dort aufhalte. Nach Darstellung der Regierung hatten 33 Putschisten den Präsidentensitz angegriffen und dort zwei Polizisten erschossen. Den Angaben zufolge töteten sie bei der Flucht zwei Passanten. Aristide erklärte, die Polizei habe sich bei dem Überfall zunächst zurückgezogen, um die Angreifer bei der Flucht besser fassen zu können. Nach den Vorfällen hatten am Montag Anhänger Aristides Häuser von Oppositionspolitikern und den Sitz des Oppositionsbündnisses Convergence niedergebrannt. Bei den Ausschreitungen töteten sie mindestens zwei Menschen. Anhänger Aristides räumten am Dienstag ein, die Ausschreitungen seien nicht spontan erfolgt. Ihren Berichten zufolge wurden sie schon am Sonntagabend, Stunden vor den Vorfällen, angewiesen, sich zur Mobilisierung bereit zu halten. Aristide war der erste Präsident, der 1990 in Haiti gewählt wurde. Nur acht Monate nach seiner Wahl setzte ihn die Armee ab. Seit Februar dieses Jahres ist er wieder im Amt, löste jedoch durch seinen autokratischen Regierungsstil internationale Kritik aus. Die Opposition und internationale Beobachter lehnten die Umstände der Kommunalwahlen im Mai ab, internationale Geberländer stellten ihre Finanzhilfen ein. (APA/AP)