Acarlar - In Acalar, einer Kleinstadt in der Westtürkei, werden die meisten Mädchen bereits im Alter von 14 Jahren verheiratet, manche sogar schon mit zehn. Und es ist auch alltäglich, dass die Mädchen in ihrem zarten Alter Mütter werden. "Jeder, egal ob Bub oder Mädchen, der mit 16 oder 18 noch alleinstehend ist, wird als Ladenhüter betrachtet", berichtet Burhan Pilar. "Ich habe meine Frau mit 15 geheiratet, als sie 13 war." Obwohl Kinderehen seit Jahren illegal sind, werden sie toleriert. Das wird sich in Kürze ändern müssen, weil die Türkei sich um eine Mitgliedschaft in der EU bewirbt und folglich diese Praxis bekämpfen muss. Erste Anzeichen gibt es schon: Das Heiratsalter für Mädchen wurde von 15 auf 18 Jahre angehoben und die Schulpflicht bis zur achten Klasse statt nur bis zur fünften eingeführt. Verkaufte Töchter Durch diese Änderungen werden die jugendlichen Ehemänner gezwungen, Strafen wegen Geschlechtsverkehrs mit Minderjährigen zu zahlen. Und den Familien der Mädchen drohen drei Jahre Haft wegen Zahlung eines Brautgeldes und Ausbeutung ihrer Töchter. Ganz anders sehen das die EinwohnerInnen der Kleinstadt, die sich von den Politikern verraten fühlen: "Sie kamen zu unseren Hochzeiten, sie tranken unseren Raki, sie tanzten sogar mit uns," sagte Ayhan Burak. "Wenn die Hochzeiten illegal waren, hätten sie nicht hinkommen sollen." Diese Art der Hochzeiten unter der Leitung eines Iman abgehalten, sind staatlich nicht anerkannt. "Wir sind bereit unsere Gewohnheiten zu ändern. Wir verstehen die Gefahren von frühen Heiraten", sagte Irfan Saka, dessen 17-jähriger Sohn wegen Sex mit einer Minderjährigen im Gefängnis sitzt. "Aber man kann von uns nicht erwarten, dass wir unsere Traditionen wie mit einem Messer abtrennen." Offizielle Zahlen zu Kinderehen gibt es nicht, bekannt ist aber, dass diese Praxis vor allem auch in den traditionsbewussten, kurdischen Provinzen im Südosten existiert. "Töchter sind das Eigentum ihrer Väter bis zur Hochzeit. Danach gehören sie ihren Männern", kritisiert die Sprecherin der Frauenrechtsorganisation KAMER. (APA/red)