Wien - Mit dem aktuellen Ortstafel-Konflikt in Kärnten stehen die Volksgruppen im Mittelpunkt der innenpolitischen Diskussion. In Österreich gibt es sechs offiziell anerkannte Volksgruppen: Kroaten, Slowenen, Ungarn, Tschechen, Slowaken sowie Roma und Sinti. Aktuelles Zahlenmaterial liegt derzeit nicht vor. Offizielle Zahlen liefern die Volkszählungen, wobei derzeit nur die Ergebnisse aus dem Jahr 1991 vorliegen. Die Daten der Volkszählung 2001 dürften erst im kommenden Frühjahr ausgewertet sein. Bei der Volkszählung wird eigentlich nicht die Größe einer Volksgruppe gemessen, sondern lediglich die Verbreitung der Sprache. Dennoch hat das Volksgruppengesetz von 1976 für die Errichtung von zweisprachigen Ortstafeln eine 25-Prozent-Klausel - basierend auf den Ergebnissen der Volkszählung - vorgeschrieben, was vom Verfassungsgerichtshof jetzt auch aufgehoben wurde. Sprachen werden wieder gebraucht Bei der letzten Volkszählung 1991 wurde der in den Jahrzehnten zuvor festgestellte Rückgang des Gebrauchs der Volksgruppensprachen gestoppt: 29.596 Österreicher gaben an, Kroatisch zu sprechen (plus zwei Prozent gegenüber der Volkszählung 1981), 20.191 machten ein "Kreuzerl" bei Slowenisch (plus 8 Prozent), 19.638 bei Ungarisch (plus 57 Prozent) und 9.822 bei Tschechisch (plus 98 Prozent). Slowakisch (1.015, plus 45 Prozent) und Romanes (122, keine Vergleichszahlen) wurden nicht gesondert abgefragt, konnten aber am Fragebogen ergänzend angegeben werden. Die einzige Ausnahme vom positiven Trend bildete übrigens Kärnten, wo der Gebrauch des Slowenischen gegen den österreichischen Trend um zehn Prozent abnahm. Die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe wird bei der Volkszählung nicht abgefragt. Für diesen Wert liegen Selbsteinschätzungen der Volksgruppen vor, die zum Teil erheblich von den Volkszählungsangaben zum Sprachgebrauch (1991) differieren. Nach Angaben des Volksgruppenzentrums schätzen die Slowenen selbst ihre Volksgruppe auf rund 50.000, die Kroaten gehen von 40.000 bis 50.000 Angehörigen aus und die Ungarn von ca. 30.000. Die Tschechen rechnen mit 15.000 bis 20.000 Menschen, die Roma mit 10.000 bis 20.000 und die Slowaken mit 5.000 bis 10.000. (APA)