Frankfurt/Mainz - Das Bild von einsamen Singles unter dem Weihnachtsbaum hat nach Ansicht des Soziologen Stefan Hradil nur wenig mit der Realität zu tun. Der Heilige Abend sei für viele Alleinlebende keineswegs der einsamste Tag des Jahres, sagte der Professor an der Universität Mainz. "Schlimmer ist es mit der Einsamkeit an Wochenenden und gewöhnlichen freien Tagen. Zu Weihnachten finden viele Singles dagegen relativ einfach Unterschlupf - etwa bei ihren Eltern." Weihnachtliche Anlaufstelle für Singles sind nach Einschätzung Hradils neben den Eltern zunehmend auch speziell auf Singles zugeschnittene Veranstaltungen wie Single-Partys. Allerdings müssten die Besucher bei gewerblichen Veranstaltungen oft tief in die Tasche greifen. Der zu Weihnachten von allen Menschen verlassene Single existiert nach Ansicht des Soziologen vor allem in den Köpfen von Nicht-Singles. Schwieriger sei es für manche Alleinlebende, an "normalen" arbeitsfreien Tagen einsame Stunden zu vermeiden. "Das erfordert viel Eigeninitiative, wesentlich mehr als an Weihnachten", sagte Hradil. Eine wichtige Rolle bei der Kontaktaufnahme spiele inzwischen das Internet. "Hier kann man sich erst einmal beschnuppern, ohne gleich eine Verpflichtung einzugehen", sagte Hradil. (APA/dpa)