Wien - Der Einbuch des Wirtschaftswachstums spiegelt sich heuer deutlich in der Insolvenzentwicklung wider. Die Zahl der Pleiten ging zwar zurück, allerdings fiel der Rückgang mit minus 2,4 Prozent auf 5.213 (5.340) Fälle deutlich geringer aus als der vor einem Jahr prognostizierte Rückgang von 10 Prozent. Die Passiva explodierten um 29,3 Prozent auf 47,6 Mrd. S (36,8 Mrd. S), statt dem erwarteten Rückgang auf 26 Mrd. S. Dies gab der Insolvenzexperte im Kreditschutzverband von 1870 (KSV), Hans-Georg Kantner, bei der KSV-Jahrespressekonferenz bekannt. Infolge einiger Großinsolvenzen wie Libro, Forstinger oder Steiner waren heuer mit 26.300 Dienstnehmer um fast 30 Prozent mehr Mitarbeiter von einer Pleite betroffen als vor einem Jahr. Insgesamt stieg die Zahl der eröffneten Insolvenzen um 14,6 Prozent auf 2.941 (2.567) Fälle, davon 101 (plus 94 Prozent) Ausgleiche und 2.840 (12,9 Prozent) Konkurse. Die Zahl der mangels Masse abgewiesenen Konkursanträge ging um 18,1 Prozent auf 2.272 Fälle zurück. "Nasskalt und trüb" Insgesamt beurteilt Kantner die Situation an der Insolvenzfront dem herrschenden Wetter entsprechend mit "nasskalt und trüb". Für das laufende Jahr erwartet der KSV bei den Pleiten eine Stagnation auf hohem Niveau. Die Passiva könnten sich zwischen 30 bis 35 Mrd. S bewegen. Dieser Wert würde, rechnet man für heuer die Passiva für die Großinsolvenzen in Höhe von rund 10 bis 13 Mrd. S heraus, in etwa dem heurigen Niveau entsprechen. Nicht vorhersehbare Megapleiten können das Bild allerdings ändern. Die größten Pleiten des laufenden Jahres waren der Konkurs der Steiner-Gruppe mit Passiva von 4,7 Mrd. S, der Libro-Ausgleich mit 4,1 Mrd. S, gefolgt von der Autohandelszubehörkette Forstinger mit 1,2 Mrd. S und der Trigon Bank-Pleite mit 900 Mill. S. Die meisten Pleiten gab es traditionell in der Bauwirtschaft mit 878 Verfahren und 6,8 Mrd. S Passiva gefolgt vom Gastgewerbe und den unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Privatkonkurse: Insolvenzverbindlichkeiten sinken Bei den Privatkonkursen sanken die Insolvenzverbindlichkeiten heuer um 2,8 Prozent auf 6,9 Mrd. S nach 7,1 Mrd. S im Vorjahr. Die Zahl der eröffneten Verfahren stieg um 9,3 Prozent auf 3.077 Fälle, bei den mangels Masse abgewiesenen Konkursanträgen gab es einen Rückgang um 8,4 Prozent auf 586 Fälle. Insgesamt stiegen die Gesamtinsolvenzen um 6,0 Prozent auf 3.663 (3.456) Fälle. Zur Diskussion um Basel II erwartet KSV-Geschäftsführer Johannes Nejedlik kurzfristig eine Marktbereinigung. Er gehe davon aus, dass in Österreich etwa ein Drittel der Betriebe davon betroffen seien. Dabei handle es sich um Unternehmen ab der Ratingklasse 300 bis 399 bis zur Gruppe mit dem schlechtesten Rating von 600 bis 699. Basel II könnte allerdings zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen.(APA)