Wien - Einer der großen Kostenfaktoren im Gesundheitswesen sind die Ausgaben für Arzneimittel. Um sie zu senken oder zumindest zu dämpfen, setzen fast alle EU-Staaten auf Preisreduktionen oder Spannenkürzungen - mit fragwürdigen, großteils nur kurzfristigen Effekten auf die Kostenstruktur, ergab eine aktuelle Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) für das Sozialministerium.Österreich hat im Europavergleich relativ hohe Arzneimittelausgaben. 15,7 Prozent der Gesundheitsausgaben (ohne Krankenhäuser) werden für Arzneien ausgegeben. Pro Einwohner sind das rund 303 Euro (4169 Schilling, EU: 252EURO). Die niedrigsten Arzneimittelausgaben im EU-Schnitt (15%) verzeichnet Dänemark (8,3%), in Portugal fließt dagegen mehr als ein Viertel der Gesundheitsgelder in Medikamente (25,8%). Sehr unterschiedlich ist der Anteil der öffentlichen Finanzierung an den Arzneimittelausgaben. 1999 betrug der Staatsanteil in Österreich 65 Prozent, in der EU 62 Prozent. Die Reaktion auf die doch sehr breit gestreuten Arzneimittelkosten war aber, so die ÖBIG-Experten, in fast allen europäischen Staaten gleich: Preisstopps und -senkungen sowie Spannensenkungen beim Pharma-Großhandel und Spannenkürzungen bei Apotheken. Fast alle Länder setzten auch darauf, so genannte Generika, also nachgeahmte, nicht mehr patentpflichtige Medikamente, zu fördern. "Die Maßnahmen zeigten kurzfristig Wirkung, nach zwei bis drei Jahren waren jedoch die Effekte verpufft und neue notwendig", so die Studie. An den grundsätzlichen Problemen im Gesundheitsbereich ändere dies aber nichts. Vielmehr hegen die Experten "Bedenken, ob mit Preisstopps, Preissenkungen und Spannenkürzungen wirklich langfristig etwas zu holen ist." Geholt wird laut Studie stattdessen bei den Patienten: "Auf diese wurden die Ausgaben für Arzneimittel mittels höherer Zuzahlungen und/ oder verstärkter Selbstmedikation abgewälzt." (APA, nim, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.12.2001)