Die Proben werden "in der Hektik" vertauscht, Ohrmarken verschwinden samt den dazugehörigen Ohrwascheln, schließlich berichtet der zuständige Beschautierarzt von "skandalösen Zuständen" im Schlachthof von Martinsberg - die Vorgänge um Österreichs ersten Fall von Rinderwahn rochen von Anfang an derart, dass Gerüchte und Vermutungen seit zwei Wochen nicht mehr verstummen wollten.

Die betroffene Kuh oder deren Futtermittel stammten aus Tschechien, hieß es. Dann wurde gemutmaßt, dass ausländisches Vieh mit einem Ohrmarkenschwindel in den österreichischen Fleischkreislauf gebracht worden sein könnte. Nun, bewiesen ist davon gar nichts. Aber: Seit Mittwoch gibt es in dem Fall eine Verhaftung - und einen Gesundheitsminister, der von der "Spitze eines Eisbergs" spricht.

Ob nun illegale Fleischimporte, EU-Subventionsbetrug, Verstöße gegen das Lebensmittelrecht - oder was immer Haupts Eisberg unter der Wasseroberfläche verbirgt -, sicher ist einstweilen: Solche Manipulationen kann es nur geben, wenn alle Beteiligten in den Schlachthöfen konzentriert wegschauen. Diese sind das wichtigste Glied der Kette vom Bauern zum Konsumenten; wird dort nicht ordentlich kontrolliert, machen weder Gütesiegel noch Marketingkampagnen für Fleisch Sinn.

Wenn Haupt nun von einem "wissenschaftlichen Kontrollsystem" spricht, das Betrügereien in Schlachthöfen vermeiden soll, ist das eine feine Sache. Genügen würde aber bereits eine ordentliche Gewaltenteilung: Es gehörte verboten, dass Beschautierärzte von Schlachthausbetreibern ökonomisch abhängig sind. Genauso sollten Landesveterinäre nicht in Reichweite von Agrarlandesräten und -lobbyisten stehen, sondern einer unabhängigen Ernährungsagentur verantwortlich sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12.2001)