Innsbruck/Reutte - Der Einsatz des grenzüberschreitenden bayerisch-tirolerischen Marketingbeirats war erfolgreich: Die bereits totgesagte Außerfernbahn erfährt ein überraschendes Revival. Die Bahnstrecke wird auf dem deutschen Abschnitt zwischen Garmisch-Partenkirchen und der österreichischen Grenze wieder elektrifziert. Damit kann auch auf Tiroler Seite die aus dem deutschen Stromnetz gespeiste Fahrleitung wieder benützt werden.

Bis Sommer 2002 werde die vor einem Jahr abgetragene defekte Oberleitung wieder aufgebaut, sagte der Pressesprecher der Deutschen Bahn (DB), Franz Lindemair, dem STANDARD. Grund für diese Entscheidung ist laut Lindemair eine Vereinbarung mit den ÖBB, die sich bereit erklärt hätten, "die Strecke für vorerst zehn Jahre in Betrieb zu halten". Vor einem Jahr hatten die ÖBB die Einstellung des Personenverkehrs bekannt gegeben. Seither wird die Strecke im Auftrag des Landes Tirol von der DB-Regio mit Dieselloks befahren.

Für die ÖBB, die seither den Güterverkehr ebenfalls mit Diesel betreiben müssen, sei die Elektrifzierung "willkommen", sagt Pressesprecher Arno Guggenbichler. Die Kosten für die jährlich gut 100.000 Tonnen Gütertransport (15.000 Lkw-Ladungen mit Baustoffen und Holz) hätten sich nahezu vervierfacht, da die steile Strecke nur mit zwei Loks und halb so vielen Waggons zu bewältigen sei.

Erfreut zeigt sich der Bezirkshauptmann von Reutte, Dietmar Schennach, der von einer "Trendumkehr" bei den Fahrgastzahlen berichtet. Erster Schritt der Bahnoffensive war der Schneeexpress, der Skitouristen und Einheimische gratis zwischen Reutte und Ehrwald befördert. Die Broschüre "Außerfernbahn: Vier Regionen - ein Ziel", die zu Weihnachten erscheint, wird mit Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke werben. Sollte noch der Abschnitt Reutte-Pfronten elektrifziert werden, könnten auch Intercity-Züge auf der Außerfernstrecke eingesetzt werden. (bs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.12.2001)