Paris - Die Arbeitnehmerrechte und der Kündigungsschutz in Frankreich werden deutlich ausgeweitet. Der umstrittene Gesetzesentwurf wurde am Mittwoch von der Nationalversammlung mit den Stimmen der linken Regierungsparteien in letzter Lesung verabschiedet. Er sieht vor allem deutlich höhere Hürden für betriebsbedingte Kündigungen sowie eine Stärkung der Betriebsräte vor. Von den Arbeitgebern und der rechten Opposition wird das Gesetz massiv kritisiert. Sie fürchten erhebliche Nachteile für die Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen und Schäden für die Wirtschaft in Frankreich. Die Einschränkung der betriebsbedingten Kündigungen war im Sommer auf Druck der an der Linksregierung beteiligten Kommunisten dem Gesetz hinzugefügt worden. Vorausgegangen waren Entlassungswellen beim Lebensmittelkonzern Danone und bei der britischen Kaufhauskette Marks & Spencer. Eine betriebsbedingte Kündigung ist demnach nur noch zulässig, wenn der Fortbestand der Firma ansonsten gefährdet wäre. Zudem werden den Betriebsräten mehr Mitspracherechte bei einer anstehenden Umstrukturierung des Unternehmens eingeräumt. Die rechte Opposition kündigte an, das Gesetz vor dem Verfassungsrat anzufechten. "Die Maßnahmen sind ein fürchterliches Zeichen für die französische Wirtschaft", sagte der frühere Sozialminister Jacques Barrot von der rechtsliberalen UDF. Arbeitsministerin Elisabeth Guigou verteidigte das Gesetz als "Fortschritt". Der Gesetzgeber sei dafür verantwortlich, die Unternehmer in die soziale Verantwortung zu nehmen. Das neue Gesetz sieht ferner Maßnahmen gegen den Missbrauch von Billigjobs sowie gegen Belästigung am Arbeitsplatz durch Vorgesetzte vor. (APA)