Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: Reuters/BBC
Das Bild des Gottessohnes, das die BBC anlässlich ihrer Serie "Son of God" im April vergangenen Jahres in Umlauf brachte, löste schon damals mehr Heiterkeit als Empörung aus. Während sich Günther Nenning in heiligem Zorn über den "Wissenschaftsschwindel" erboste, wollten die Spekulationen nicht abreißen, wem der Mann mit dem netten, aber eben nicht unbedingt vergeistigten Antlitz ähnlich sehen möge. Man stieß schließlich auf einen deutschen Showmaster: "Sah Jesus wirklich aus wie Jürgen von der Lippe?", fragte etwa der Onlinedienst www.heise.de. Weil nun bald Weihnachten ist, erhält auch der österreichische TV-Konsument die Gelegenheit, ins erdige Antlitz des neuen Messias zu schauen. Heute, Donnerstag, zeigt der ORF um 20.15 Uhr die Dokumentation in voller Länge. BBC-Korrespondent Jeremy Bowen hat keine Mühen gescheut, den gewandelten Sohn Gottes als Dissidenten und Aufrührer zu präsentieren, der schließlich in Jerusalem zum Tode verurteilt wurde. Aufwendige Computeranimationen in gefälligem Lara-Croft-Design unterstützen seine Thesen. Wissenschaftlich fundiert sind sie freilich nicht. Wem das bewusst ist, der wird abermals seinen Spaß an der betulichen Beweisführung haben. "Nun, was spüren Sie?", fragt Frederick, der amerikanische Pathologe mit einem Schreibblock in den Händen. Der junge Mann, der über ihm am Kreuz hängt, erwidert: "Nun, heftige Schmerzen und starker Druck in den Oberarmen." Die Oberarme schlankern, dass es nur so eine Freude ist. Der Beweis ist erbracht: Jesus war also nicht nur an den Armen festgebunden. Glück für das tapfere Versuchsobjekt, ansonsten hätten sie ihm wahrscheinlich auch noch Nägel durch die Handflächen gerammt. Er gebe zu, dass man über das Bild streiten könne, gestand der Theologe und "Vater" des Jesus-Bildes, Mark Goodrace. "Aber alles, was Menschen dazu bewegt, ihren Glauben zu überprüfen, ist eine gute Sache." Was für eine Aufgabe! (prie, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 12. 2001)