Wien - Auf "Adriano (Letzte Warnung)" (WEA/Warner Music) riefen Brothers Keepers - der Zusammenschluss afrodeutscher Sänger und Rapper - den HörerInnen die Ermordung des Afrikaners Alberto Adriano, der von Neonazis in Ostdeutschland zu Tode geprügelt worden war, ins Gedächtnis zurück. Nun holen Bantu, Sekou, Afrob, Samy Deluxe, Xavier Naidoo und Co. zum zweiten lyrischen Rundumschlag gegen Rassismus aus - diesmal auf über 70 Minuten: "Lightkultur" ist der ironisierte und entlarvende Titel des ersten Brothers-Keepers-Album, auf dem mehr als 40 (!) KünstlerInnen aus der Rap-, Reggae-, Soul- und R&B-Szene zu hören sind. Bei Lightkultur geht es nicht mehr um die Spitze des Eisbergs: Diesmal geht es auch um das, was sich unter der sichtbaren Oberfläche befindet: Blicke, die erniedrigen oder exotisieren, Stereotypen, die ab- und ausgrenzen, Behandlungen, die täglich und nachhaltig sind. Bezeichnungen, die markieren und ankreiden. "Farbgesetze" (von Mamadee), die marginalisieren und unsichtbar machen. Erfahrungen, die tief sitzen, hochkommen und raus müssen. Dazu nutzen Brothers Keepers Bibelzitate, Politisches, intimste Gedanken und offene Kriegserklärungen. Sie sprechen Hinz & Kunz an, Du und ich werden zur Brust genommen. Und noch etwas ist neu: Bei den ersten Aufnahmen meist durch Mutterschaftsurlaub verhindert, sind nun auch die Schwestern, mit dabei. Sieben von ihnen fanden sich für den Soulsong Sister zusammen, weitere sieben schrieben gemeinsam Liebe & Verstand. Hierfür gaben sich die Sängerinnen den Namen Sisters Keepers, denn auch sie verstehen sich als "Behüterinnen". Der Reinerlös dieses Albums fließt wieder in wohltätige und gemeinnützige Projekte. So werden Vereine und Initiativen im Osten Deutschlands unterstützt, Opfer oder Hinterbliebene erhalten Hilfe (Leichenrückführung, Anwaltskosten, Beerdigung, Umzug) und in Köln hat seit Anfang Dezember das erste Brothers Keepers Community Center seine Pforten geöffnet, ein beschauliches Cafe, in dem u.a. Rechtsberatung und Hilfe bei Amtsangelegenheiten für die, die es dringend brauchen, angeboten wird: Asylbewerber, Migranten, Obdachlose. Bei Erfolg und langfristig gesicherter Finanzierung sollen solche Zentren auch in anderen Städten eingerichtet werden. (red)