Seit drei Jahren vergibt das britische Architekturmagazin "The Architectural Review" jeweils sieben Preise an junge Bauleute unter 45. Unter den diesjährigen Gewinnern befindet sich mit der Wiener Architektin Silja Tillner auch eine Österreicherin, zwei weitere heimische Teams, nämlich die Tiroler Gerhard Manzl, Johann Ritsch, Manfred Sandner sowie der Salzburger Thomas Forsthuber wurden von der Jury "wärmstens empfohlen".Tillner heimste den begehrten Preis für ein feines, leichtes Membrandach ein, das seit knapp zwei Jahren bei Festivitäten jeder Art die Besucher des Arkadenhofs im Wiener Rathaus vor der Witterung schützt. Das großflächige, innen stützenfreie und säuberlich gefältelte Dach lässt sich in wenigen Minuten aus- und einfahren und ist damit ein vorzügliches Beispiel dafür, dass Architektur, klug konzipiert, die Tugenden der Leichtigkeit mit jenen der Festigkeit und Stabilität in sich vereinen kann. Die Fältelung der zart durchscheinenden, weißen Membran, die übrigens aus Polyestergewebe gemacht wurde, nimmt den Rhythmus der neugotischen Rathaus-Arkaden auf, was sich ganz reizvoll macht. Das eigentliche Tragwerk liegt, für die Besucher so gut wie unsichtbar, in Form verschiebbarer Fachwerkträger über dem Dachgewebe. Auch die Entwässerung erfolgt über leichte, unaufwendige Konstruktionen: An den Kehlen des Faltdaches hängen einfache Schläuche aus demselben Membranmaterial, sie führen das Regenwasser in die Kanalisation ab. Die Jury zeigte sich "sehr beeindruckt von der Einfachheit und Eleganz der Grundidee, und von der gut durchdachten Art und Weise, in der die neue Architektur mit der bestehenden kommuniziert". Das Rathaus selbst wurde in den Jahren 1872 bis 1884 von Friedrich von Schmidt erbaut. Die zeitgemäße Adaptierung dieses neugotischen Architekturmonuments erfolgte im Auftrag der Stadt. uwo derStandard/rondo/21/12/01