Wien - Der Streit zwischen Konsumentenschutzminister Dieter Böhmdorfer und den Sozialpartnern um den Verein für Konsumenteninformation (VKI) geht in die nächste Runde. Nach der Wirtschaftskammer haben bei einer Mitgliederversammlung des VKI am Mittwoch auch die Arbeiterkammer (AK) und die Landwirtschaftskammer ihren Syndikatsvertrag mit der Republik Österreich aufgekündigt.

Böhmdorfer warf den Sozialpartnern daraufhin vor, den Konsumentenschutz ohne Einbeziehung des Bundes "monopolisieren" zu wollen. Als Drahtzieher dieser Aktion ortete Böhmdorfer VKI-Obmann und AK-Konsumentenschutz-Chef Harald Glatz.

Der Minister beharrte darauf, die VKI-Geschäftsführung zur Erarbeitung eines "kaufmännischen und organisatorischen Konzeptes unter Beiziehung von Betriebsberatern" verpflichten zu wollen. Die bisherigen "paar Unterlagen" seien dafür nicht ausreichend gewesen. Die Beiziehung von Consultern lehnen die Sozialpartner jedoch ab.

Schwere Vorwürfe richtete Böhmdorfer gegen die VKI-Zeitschrift Konsument . Redakteure müssten Artikel vor Erscheinen den Sozialpartnern "zur Zensur" vorlegen. Dies sei ihm aus mehreren Quellen bestätigt worden. Wirtschaftskammer: Justizminister "missversteht" Arbeitsweise des VKI Dass das von Konsumentenschutzminister Dieter Böhmdorfer (F) vorgetragene Konzept für den Verein für Konsumentenschutz (VKI) für die Wirtschaftskammer Österreich "wirtschaftlich nicht leistbar" ist, erklärte am Donnerstag Hanspeter Hanreich, Leiter der rechtspolitischen Abteilung der WKÖ und Vorstand des VKI. Den Böhmdorfer-Vorwurf einer "Zensur" in der Zeitschrift "Konsument" weist Hanreich als "Missverständnis" zurück. Die WKO sei nicht an einem Konflikt um den Verein für Konsumenteninformation (VKI) interessiert, erklärt Hanreich in einer Aussendung. (zwi, APA, Der Standard, Printausgabe, 21.12.01)