Groß war vor allem unter Tierschützern im Frühjahr die Freude, als erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder ein Seeadlerpaar in heimischen Gefilden erfolgreich brütete. Doch in der kalten Jahreszeit droht nicht nur Österreichs Wappentier Gefahr durch im Freien ausgelegte, präparierte Köder: In den vergangenen zwei Jahren wurden vom WWF mit Hilfe der Bevölkerung 98 vergiftete Tiere und zahlreiche Köder sichergestellt: "Im Winter beginnt in Ostösterreich immer noch die Saison der Giftleger", so Monika Mörth vom WWF heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz in Wien."Dunkelziffer weit höher" Die ersten Funde toter Tiere wurden vom WWF 1989 im Marchfeld registriert. Doch die gemeldeten Kadaver scheinen nur die Spitze eines Eisberges zu sein: "Die Dunkelziffer liegt weit höher", vermutet Mörth, die die 1999 gestartete Kampagne "Vorsicht Gift!" leitet. Die Initiative soll mit Hilfe der Bevölkerung 2002 fortgesetzt werden. Kampagne "Vorsicht Gift!" wird fortgesetzt Zuletzt überwinterten in Österreich rund 70 Seeadler. Im vergangenen Jahr wurden vier vergiftet: "Drei davon sind gestorben, einer konnte gerettet werden." Ein Pärchen im Burgenland gab nach einem Gift-Zwischenfall die Brut auf. Da Seeadler bei Nahrungsknappheit auch Aas fressen, ist der einzige heimische Nachwuchs gefährdet: "Die Aktion hat heuer das Ziel, diesen zarten Jungvogel in einen majestätischen Adler zu verwandeln", so Mörth. Auch Hunde, Katzen, Wildtiere als Opfer Zu den erfassten Opfern zählen außerdem 38 Hunde, 25 Katzen und über 30 Wildtiere. Für Menschen können die Köder ebenfalls gefährlich werden: "Es werden auch Tiere in Siedlungsgebieten vergiftet", kritisierte Helmut Dungler, Geschäftsführer der Aktion "Vier Pfoten". "Auch in den Wiener Bezirken Floridsdorf, Donaustadt und Liesing hat es Giftfunde gegeben." "Die Tiere sterben qualvoll" Die meisten der ausgelegten Köder werden mit der seit 1997 giftscheinpflichtigen Chemikalie Furadan versetzt. "Es ist ein Gift, das Krämpfe verursacht. Die Tiere sterben qualvoll", schilderte Univ-Ass. Dr. Gerhard Loupal, Präsident von Birdlife Österreich und Pathologe der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Furadan ist durch seine leuchtend violette Farbe relativ leicht zu erkennen. Der WWF bittet ersucht deshalb die Bevölkerung um Mithilfe: Unter der Telefonnummer 0676/444-66-12 können Gift-Fälle ab sofort wieder rund um die Uhr gemeldet werden. Giftfälle ernster nehmen Giftleger erwartet derzeit theoretisch eine Verwaltungsstrafe nach dem Jagdgesetz von bis zu 30.000 Schilling. Als Tierquälerei wird das Auslegen von präparierten Ködern jedoch nicht geahndet. Der WWF fordert ein konsequenteres Vorgehen gegen die Giftleger: "Uns ist es wichtig, dass die Gendarmerie und die Justiz diese Giftfälle ernster nehmen als bisher", so Mörth. Gefundene Köder würden nur teilweise untersucht, Personen, die Fälle melden, würden oft "abgewimmelt": "Da geht es nicht nur um Tierquälerei, sondern um Leib und Leben." (APA)