Kabul - Bereits vor dem endgültigen Mandat für die UNO-Schutztruppe regt sich in der afghanischen Führung Widerstand gegen deren Einsatz. Der designierte Verteidigungsminister Mohammed Fahim sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag, es gebe erhebliche Differenzen mit den Vereinten Nationen. Fahims Worten zufolge sollen nur 1.000 von maximal 3.000 Soldaten friedenssichernde Aufgaben übernehmen. Die übrigen sollten sich um humanitäre Hilfe kümmern. "Ihre Anwesenheit ist ein Symbol, aber die Sicherheit liegt in der Verantwortung der Afghanen", sagte Fahim und ging damit auch auf Distanz zum künftigen Regierungschef Hamid Karsai. Die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates hatten sich dagegen darauf geeinigt, der Truppe auch das Recht auf Anwendung militärischer Gewalt einzuräumen. Die Schutztruppe soll zunächst 1.000 Mann umfassen, könnte jedoch auf bis zu 5.000 Mann wachsen. Das Recht auf Anwendung militärischer Gewalt wird mit der Situation in Afghanistan begründet, die immer noch "eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit" darstelle. Fahim erklärte, die UNO-Soldaten hätten kein Recht, sich in afghanische Angelegenheiten einzumischen und irgendjemanden zu entwaffnen. Die bewaffneten Einheiten der Nordallianz sollten zudem in Kabul bleiben. Auf dem Petersberg hatte die Nordallianz noch zugesagt, alle bewaffneten Einheiten aus den Städten und dem Einsatzgebiet der UNO-Truppe abzuziehen. Uneinigkeit über den Einsatz der Schutztruppe besteht offenbar auch innerhalb der designierten Interimsregierung. Der künftige Regierungschef Hamid Karsai hat bereits seine Zustimmung signalisiert, dass die UNO-Soldaten in Kabul für Sicherheit sorgen sollen. Fahim sagte dagegen, eine afghanische Polizeitruppe solle diese Aufgabe übernehmen. "Einige künftige Regierungsmitglieder, die immer im Ausland gelebt haben, sorgen sich um die Sicherheit. Sie wollen deswegen Schutztruppen damit beauftragen, doch wenn sie hier ankommen, werden sie sehen, dass dies nicht nötig ist", sagte Fahim. Er kündigte zudem den Aufbau einer afghanischen Armee innerhalb von sechs Monaten an. Ein Vorauskommando der UNO-Truppe wird bereits am Freitag in Kabul erwartet. Ein Sprecher der britischen Botschaft in Kabul sagte, dies solle aus 70 britischen Soldaten bestehen, die bereits am Flughafen von Baghram stationiert seien. (APA)