Wien - Die Reorganisation ist abgeschlossen, zwei Geschäftsfelder sind definiert, und von den 470 Mitarbeitern sollen zunächst 80 gehen. "Wir sind wie ein Start-up", sagt Peter Zehetner, neuer Vorstandschef bei Ericsson Austria AG, zuvor Finanzchef. "Wir haben Ideen, Kunden, Verträge und somit auch Umsätze."

Letztere fallen heuer für das 125 Jahre alte Unternehmen nicht so großartig aus. Die drei Milliarden Schilling (rund 218 Mio. Euro) aus dem Jahr 2000 werde man heuer nicht erreichen, so Zehetner. Konkrete Zahlen wollte der ehemalige Finanzchef nicht nennen. Die Krise in der Telekombranche, vor allem aber auch die fehlenden Handyumsätze, die seit dem zweiten Quartal nur noch in der Bilanz bei der Konzernmutter in Schweden verrechnet werden, seien die Hauptgründe für den rückläufigen Umsatz.

Ab Mitte 2002 soll sich das wieder ändern. "Rund 90 Prozent des Umsatzes werden wir künftig mit Bereichen verdienen, in denen wir bisher noch nicht tätig waren", so Zehetner. Umsätze aus der Lieferung von Netzwerktechnologie der dritten Mobilfunkgeneration UMTS (Universelles Mobiles Telecommunications System) sollen künftig die Cashcow von Ericsson Austria werden. Der Vertrieb von Telekomanlagen für Unternehmen werden nur noch etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, so Zehtner. Die Forschung und Entwicklung für diesen Bereich, in dem rund 110 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird weiterhin in Wien bleiben.

Mit den beiden Aufträgen der Handynetzbetreiber Mobilkom und Connect Austria (One) für den UMTS-Netzaufbau ist der "weiße Fleck Österreich" auf der Landkarte endgültig verschwunden, sagt der 36-jährige Zehetner, der seine ersten Telekomerfahrungen beim Branchenrivalen Nokia sammelte. Beim GSM-Handynetz in Österreich war der schwedische Telekomausrüster bei keinem der vier Netzbetreibern zum Zug gekommen. Weltweit wird Ericsson rund 40 Mobilfunkfirmen die UMTS-Netze bauen. Entscheidend für den Erfolg von UMTS werde auf jeden Fall sein, dass dem Endkunden "nicht nur eine Technik verkauft" werde, sondern zum Start auch Anwendungen und Inhalte für die neuen Handys präsentiert werden.

Bei den Endgeräten erwartet sich Ericsson einen neuen Schub durch die Zusammenlegung der Handysparte mit Sony. Die österreichische Niederlassung von Sony Ericsson, dessen Hauptsitz in London ist, beschäftigt 20 Mitarbeiter, die auch für die Schweiz zuständig sind. Mit Sony wolle man im Handygeschäft bis zum Jahr 2005 Weltmarktführer Nokia von der Spitze verdrängen. Erste Handys unter gemeinsamer Marke sollen Mitte 2002 auf den Markt kommen.

(Thomas Jäkle, Der Standard, Printausgabe, 21.12.01)