Wien - Besorgnis über die steigende Obdachlosigkeit vonAsylwerbern in Österreich äußerte dasUNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) bei einer Pressekonferenz inWien. Nach Gesprächen mit heimischen Nicht-Regierungs-Organisationen(NGOs) berichtete die Leiterin des UNHCR-Büros in Wien, Karola Paul,von einer regelrechten Herbergsuche. "Die NGOs sind dem Ansturm nichtgewachsen, da ihre Kapazitäten längst ausgeschöpft sind. Sie müssendie Leute abweisen", erzählte Paul."VieleAsylsuchende nächtigen im Freien. Und wer bei den derzeitigenTemperaturen in Telefonzellen oder Parkbänken schläft, kämpft umsÜberleben", meinte die Büro-Leiterin. Zudem haben diejenige, die imFreien übernachten, keine Zustelladresse. Sie können daher durch dasBundesbetreuungsamt nicht erreicht und in Folge vom Asylamt nichtangehört werden, so Paul. In Österreich gebe es keinen Bundesbetreuungsanspruch fürAsylwerber, erzählte Paul. Deswegen sei das Anliegen der UNHCR inÖsterreich, dass trotzdem alle Flüchtlinge untergebracht und versorgtwerden. "Unabhängig von Rasse und Religion", so Paul. Es seiengültige Standards für diese Betreuung zu schaffen. Paul richteteeinen Appell an die Politik, diese Menschen nicht auf der Straße zulassen. "Graz hat bereits Menschlichkeit bewiesen und ein Programmeingeführt, das Obdachlose auffängt." Reaktion der Bevölkerung Österreicher empfinden beim Anblick von Obdachlosenmeist Mitleid, aber auch Zorn über diesen Missstand. Rund jederZweite glaubt, dass sich die Zahl der Obdachlosen erhöht hat. Das istdas am Freitag veröffentlichte Ergebnis einer Umfrage des LinzerMeinungsforschungsinstitutes "market". Das Institut hatte Ende Oktober/Anfang November 500 repräsentativfür die Gesamtbevölkerung ausgewählte Personen ab 15 zum ThemaObdachlose befragt. Dabei erklärten 53 Prozent, beim Anblick einesObdachlosen überwiege bei ihnen das Gefühl desMitleids. 23 Prozent - vor allem aber Männer - empfinden Zorn überdiesen Missstand. Zehn Prozent ekeln sich, fünf Prozent haben Angst.Neun Prozent gaben dazu keine Antwort. Verbesserungsfähig 53 Prozent vermuten, dass die Zahl der Obdachlosen gestiegen ist,24 Prozent gehen von einem Gleichbleiben aus, vier Prozent vonsinkenden Zahlen. 19 Prozent konnten dazu nichts sagen. Gut drei Viertel der Befragten vertraten die Meinung, das Problemvon Obdachlosen werde man nie ganz lösen können, aber mitentsprechenden Maßnahmen ließe sich deren Zahl deutlich senken. Rundjeder Zweite verlangte, zumindest Jugendliche, die vonObdachlosigkeit betroffen sind, sollten den Parteien ein Anliegensein. Und ebenso viele waren überzeugt, ein solches Schicksal könntejeden treffen. (APA)