Wien - Einmal im Jahr verwandeln sich sogar Politiker in Gutmenschen - selbst solche, die mit diesem Begriff während des restlichen Jahres die pazifistischen Weicheier aus dem linksalternativen Eck zu verhöhnen pflegen. Da wird dann für einige Tage oder Stunden dem karitativen Alkoholismus am Punschstand gefrönt, für die gute Sache dem Ball nachgehechelt oder spontan tief in die Tasche gegriffen. Dennoch fällt die Einstimmigkeit auf, mit der alle vom Standard befragten Politiker und Politikerinnen darauf beharren, nicht nur im Advent über ein empfindsames und mitfühlendes Herz zu verfügen. Die Kinderkrebshilfe, deren Präsident er sei, fordere das ganze Jahr über den Mann, betont etwa Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Dass Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer sich nicht nur zur Weihnachtszeit um rumänische Straßenkinder kümmert, ist ebenfalls bekannt. Spontan helfen Manche wiederum, wie Finanzminister Karl-Heinz Grasser, überkommt spontan das Bedürfnis, jenen zu helfen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Wie viel er für die Behandlung einer schwer erkrankten Frau locker machte, wollte Grasser aber erst nach einigem Geziere sagen - auch eine Konstante, die bei seinen Kollegen ebenfalls zu vermerken war. Anders als über ihr Tagesgeschäft, das sie mit solcher Diskretion selten betreiben, wollten unsere Befragten über den finanziellen Umfang ihrer mildtätigen Werke nicht allzu viele Worte verlieren. Man tut’s ja nicht, damit die Welt es erfährt, verwiesen sie auf die reine, von keinem Wässerchen der Selbstdarstellungssucht getrübte Quelle ihrer Wohltätigkeit. Philanthropischer Menschenschlag Der vorweihnachtliche Eindruck, bei Politikern handle es sich um einen Menschenschlag, der die exzessive Philanthropie zur einzig wahren Lebensform erhoben hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch auch die kann übertroffen werden, beispielsweise so: Der kroatische Tennisspieler Goran Ivanisevic spendete einem Krankenhaus seiner Heimatstadt Split vier Millionen Schilling. Ansichtssache
Gutes tun...
Karitative Vorhaben unserer VolksvertreterInnen zur Weihnachtszeit (kob,derstandard,print-ausgabe,22.12.2001)