Suva Reka/Wien - Den Österreichern sei Dank, und Allah natürlich auch, sagt Nurbi Ramadani. Der fünffache Vater hat Sorgen: Bei derzeitigen minus zehn Grad haben seine Kinder keine warme Kleidung, keine Schuhe, es fehlt an Brennholz und Baumaterial. Er hause in einem halbzerstörten Hof, erzählt der kosovarische Bauer dem österreichischen Vizeleutnant Franz Jöbstl. Der Unteroffizier hört sich die Wünsche des ausgezehrten Familienvaters an und verspricht rasche Hilfe. "Das ist das Schöne an unserem Job", meint Jöbstl, "wir können helfen. Das macht nicht nur uns Freude", sagt der Unteroffizier, der im Camp "Casablanca" stationiert ist.

Das "Cimic"-Programm (Civil - Military - Cooperation-Programm) erlaube unbürokratische Hilfsleistungen ohne Zeitverlust, die Soldaten würden in Zusammenarbeit mit kosovarischen und internationalen Organisationen die Not im Land nachhaltig lindern können. Sogar Geschenkpakete, die österreichische Schüler für kosovarische Kinder gespendet haben, werden verteilt. Soldaten freut das ebenso wie die Beschenkten.

Uke Byty¸ci, Bürgermeister von Suva Reka und Berater des frischgewählten Präsidenten des Kosovo, Ibrahim Rugova, schlägt in dieselbe Kerbe: Mit den österreichischen Soldaten gebe es eine "wunderbare Zusammenarbeit", und die Truppen würden funktionieren "wie Schweizer Uhren". Probleme gebe es hier in Suva Reka ohnehin kaum, mit wem auch? Schließlich gebe es hier keine Serben mehr, und es seien auch noch keine nach Suva Reka zurückgekehrt, meint der einstige Mitbegründer der örtlichen Abteilung der Rebellenarmee U¸CK.

In zwei, drei Generationen, vielleicht

Natürlich würden die Serben künftig wieder zurück-können, lacht Byty¸ci, alle würden ja Frieden und Demokratie wollen. Wann werde es so weit sein? Byty¸ci wird unbestimmt: "In zwei, drei Generationen, vielleicht."

Die Soldaten des "AUCON 5" der Kosovo-Friedenstruppe Kfor rechnen ebenfalls mit einer längeren Präsenz im Kosovo. Kaum einer glaubt, dass in den nächsten Jahren tatsächlich der Frieden ausbrechen könne, dazu sei der Hass zwischen albanischstämmigen Kosovaren und den Serben viel zu groß. Auch die Tendenz vieler Albaner zum organisierten Verbrechen verlange nach einer unangreifbaren Ordnungsmacht.

Hauptmotivation der meisten Österreicher für den sechsmonatigen Dienst im Kosovo ist natürlich der Sold, der schon für Mannschaftsdienstgrade mindestens 30.000 Schilling monatlich beträgt. Dafür darf man in einem charmanten, selbstgebauten Containercamp gemeinsam mit Schweizer und slowakischen Soldaten leben, die die Task Force in der Region Suva Reka bilden. Mit der Euroeinführung in der EU dürfen die Soldaten auch die Verteilung des Geldes im Kosovo abwickeln und beaufsichtigen.

Mission: Ordnung garantieren

Militärisch ist das Aufgabengebiet der Österreicher klar umrissen: Sie müssen schlicht Ordnung garantieren. Das beinhaltet Patrouillenfahrten mit dem Schützenpanzer Pandur in minenverseuchtem Gelände, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. In der Nacht fühlt man die kosovarische Kälte im offenen Pandur wie bei einer Fahrt im Cabrio am Nordpol. Weiters müssen Checkpoints besetzt besetzt werden, bei denen Fahrzeugkontrollen durchgeführt werden.

Das Leben im nahezu autarken Camp selbst ist für die meisten Österreicher mehr als akzeptabel. Zwar darf das Lager ohne Befehl nicht verlassen werden, und unter Androhung scharfer Strafen ist jeder sexuelle Kontakt mit Kameradinnen und einheimischen Frauen verboten, dennoch deckt das Einkommen der Soldaten jedes Murren zu.

Apropos Kameradinnen: Wachtmeister Christiane Köchl aus Kärnten macht seit Monaten Dienst im Camp. Gab es bisher Probleme? Köchls Blick genügt. Eine Unteroffizierin kennt keine Probleme. (DerStandard,print-ausgabe,22.12.2001)