Wien - Wo die Fußballer aussterben, hat der Ball sein Recht verloren. Daher sei es, so der in der Öffentlichkeit gepflegte Tenor, "wurscht", wer Teamchef werde. Ein Liga-Scanning zeigt, dass es nicht ganz so schlimm steht, auch wenn der heimische Klubkick im Europacup keine Rolle mehr spielt."Der kranke Mittelbau"

Die demnächst abtretende Generation mit der Integrationsfigur Andi Herzog, mit Wohlfahrt, Hörtnagl, Vukovic, Glieder, Winklhofer, Walter Kogler, Kirchler wird gefolgt von einer schwächeren Riege: Die 25- bis 28-Jährigen - Lipa, Glasner, Michi Wagner, Radovic, Hopfer, Pürk, Kauz - erfuhren ungefähr zum Eintritt in das Profileben den Befreiungsschlag des "Bosman-Urteils". Keiner hat es ins Team geschafft, keiner hat es bei seinem Verein zu einer prägenden Rolle geschafft (Michael Wagner probiert das seit vielen Jahren), alle verdienen dank der Umwandlung des Marktes Länge mal Breite. Die Älteren (Pfeifenberger, Feiersinger) mussten noch einen viel härteren Weg gehen, die Jüngeren wie Linz, Wallner, Feldhofer, Markus Hiden, Pogatetz, Ziervogel, Mair, Ortlechner, Forster werden wieder ein guter Jahrgang. Die Liga (und damit das Team), krankt am Mittelbau, an den Systemerhaltern, die tragende Rollen spielen müssten und diese an Ausländer von zweifelhafter Qualität abgeben.

Die Qualität der Nichtösterreicher

Denn gute Ausländer (international zweitklassig, weil die erste Garnitur unfinanzierbar ist), kann sich kein Klub leisten. Hannes Kartnigs (Sturm Graz) Nichtösterreicher, die er für die Erreichung des Europacups unerlässlich findet, sind vergleichsweise mit der eventuellen Ausnahme Masoudi nicht einmal drittklassig (Rojas, Held, Pregelj, bei Amoah stimmt die Kosten-Nutzen-Relation krass nicht), sie helfen Kartnig auch offensichtlich nicht, denn die von ihnen ersetzten Inländer (Schopp!) waren schlicht besser. Und warum, so fragt Unter-21-Teamcoach Willi Ruttensteiner, hat Kartnig keine Nachwuchsakademie, im Unterschied zum GAK, zur Austria und zur Admira? Warum laufen Kartnig alle begabten Jungen davon?

Magere Rundschau

Auch sonst zeigt eine Rundschau kaum nennenswerte Fremdarbeiter, bei Rapid außer dem Tormann (Maier) keinen, der GAK hat immerhin Bazina, Akoto, Akwuegbu, der FC Kärnten Hota, die Austria Janocko, Leute wie Ledwon oder Sarac stellen zu Hopfer oder Schmid keine Verbesserung dar. Die Admira kann sich nicht einmal einen Durchschnittlichen leisten, Bregenz hat Unger, Salzburg Lässig und Szewczyk, Ried den einst famosen Rachimow.

Der zu bestimmende Teamchef ist also alles andere denn wurscht, denn er muss langfristig denken können, um die Kluft bis zur internationalen Reifung der Generation Linz-Wallner-Feldhofer zu überbrücken. (josko, Printausgabe DerStandard, 22.12.2001)