Seit den 70ern sind sie auf der globalen Bildfläche, seit den 80ern schiessen sie aus dem Boden wie die verstrahlten Pilze: die Freien Export Zonen (FEZ). Hand in Hand ging es. Zuerst wurde die Rettung der "3. Welt Länder" durch den Westen proklamiert, der diese über Epochen hinweg mit einem "All you can eat-Luxus Buffet" verwechselt hatte. Als Allheilmittel wurde eine umfassende Liberalisierung in Gang gesetzt und sogenannte "Strukturanpassungsprogramme" ins Leben gerufen. Dabei auf der Strecke blieben unter anderem die ArbeitnehmerInnen und ihre Schutzgesetze. Steuererleichterung und Steueraufhebung Um internationale Investoren ins eigene Land zu bekommen, liefern sich die Entwicklungsländer mittlerweile einen richtigen "Standortkonkurrenzkampf" und jede Regierung versucht, die für die Investoren bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen. Während es im eigenen Land massiv an Geld fehlt, wird den internationalen Konzernen Infrastruktur wie Lagerhallen, Strom und Wasser teilweise sogar gratis zur Verfügung gestellt. Geldtransfers werden steuerfrei gestellt, das bedeutet, dass selbst die Gewinne ohne eine Spur im Produktionsland zu hinterlassen, wieder ins Investitionsland rücktransferiert werden. Ebenso können Rohstoffe unverzollt eingeführt werden. Und - ArbeitnehmerInnenrechte, wie bezahlter Urlaub, freie Tage pro Woche, Überstundenhöchstzahlen oder Streikrecht werden außer Kraft gesetzt. Zwischen 70-90% der Beschäftigten in den FEZ sind Frauen ... vor allem in den arbeitsintensiven Produktionszweigen wie Elektronik und Textil, ihr durchschnittliches Alter liegt zwischen 15-25 Jahren. Warum gerade Frauen in diesem Bereich so stark vertreten sind, ist leicht zu erklären. Sie verdienen zwischen 70-90% ihrer männlichen Kollegen, sprich sie sind einfach billiger. Sie sind zumeist Arbeitsmarktneulinge und somit gefügigere Arbeitskräfte. Und ihr durchschnittlich niedrigeres Ausbildungsniveau verschlechtert ihre Aussichten auf die ohnehin schon geringen Job-Alternativen. Und was geht uns das an? Nicht lang fragen, lieber lesen: die SÜDWIND-Publikation "Kleiderproduktion ohne Haken und Ösen" gibt Aufschluss über die Arbeitsbedingungen von Zulieferbetrieben von Otto, adidas, Karstadt, Quelle, Tchibo u.a. Interviewte Frauen gaben an, um die 150 Überstunden pro Monat leisten zu müssen und trotzdem unter dem Mindestlohn ausbezahlt zu werden. Teilweise dürfen die Frauen ihre überfüllten und überteuerten Schlafsäle nur für ihren Weg zur Arbeitsstätte verlassen. Neben den unmenschlichen Lebensbedingungen birgt das sogenannte "3 in 1"-System, das Produktionsstätte, Lager und Schlafsäle vereint, zahlreiche Gefahren in sich. Es kommt zum Beispiel des öfteren zu Bränden, häufig fordern diese Todesopfer. Mittlerweile arbeiten zwischen 70 und 80 Mio. Beschäftigte auf der ganzen Welt in den Freien Export Zonen, auch die neugewählte Regierung Argentiniens hat schon proklamiert, dass sie bereit ist, die Strukturanpassungsprogramme durchzuführen. (e_mu)