In der kleinen Aula der zweisprachigen Schule von Feistritz im Rosental südlich der Drau herrscht Betriebsamkeit. "Bei uns wird immer am letzten Schultag vor Weihnachten gemeinsam g'sungen und musiziert", erzählt Schuldirektor Hans Millonig: "Deutsch und Slowenisch. Natürlich." 115 Kinder werden in seiner Schule unterrichtet. 40 Prozent sind zweisprachig.

Die Schulstufen werden parallel geführt: jeweils eine für die Zweisprachigen und eine für die rein Deutschsprachigen. Der neu entflammte Ortstafelstreit hat bisher keine Unruhe in die vor 25 Jahren errichtete Schule gebracht. "Wir legen großen Wert auf ein friedliches Miteinander", sagt der Direktor. "Das wirkt auch positiv nach außen auf das Gemeindeleben:" Elternvereinsobfrau Heidemarie Begusch bestätigt: " Die Schule wirkt als verbindendes Element." In die reinen Deutschklassen gehen auch Kinder, deren Familien slowenische Wurzeln haben, zu Hause aber nicht mehr Slowenisch sprechen, und umgekehrt gibt es Kinder aus rein deutschsprachigen Familien, die Slowenisch lernen wollen.

Rund 2700 Einwohner zählt die Gemeinde samt umliegenden Dörfern, deren derzeit bekanntester Bürger Jörg Haider, ein Zuag'raster, ist. Er und seine Gattin Claudia, die für die FPÖ im Gemeindevorstand sitzt, mischen sich immer wieder in das sehr lebendige und zweisprachige Gemeindeleben: "Da ist er ganz freundlich und schulterklopfend, auch wenn es eine slowenische Schulter ist", sagen die Leute.

In Feistritz ist sogar der Fasching zweisprachig. Die Pfarren im Gemeindegebiet werden von Minoritenpatres aus Slowenien betreut. Sie haben ihren Mutterkonvent in Ljubljana/Laibach. Die Messen werden zweisprachig gestaltet, betont Pater Anton. Anfangs gab es heftigen Widerstand - von beiden Seiten.

Knapp 14 Prozent Kärntner Slowenen leben in der Gemeinde, vielleicht sind es auch mehr, aber die deklarieren sich nicht. Deshalb gibt es auch keine zweisprachige Ortstafel, und deshalb wird am Gemeindeamt auch nicht Slowenisch gesprochen. Denn seit 1976 galt ja die 25-Prozent-Klausel. "Das hat bis jetzt niemanden wirklich aufgeregt", sagt der Feistritzer Bürgermeister Hubert Gradenegger, ein Roter: "Wir haben uns weiterentwickelt, beide Volksgruppen. Eine zweisprachige Ortstafel ist nur ein Symbol." Vor zwei Jahren wäre in Feistritz ein dreisprachiger Kindergarten eröffnet worden. Einstimmig sei der Beschluss gefallen.

Die slowenische Wahlgemeinschaft ist in Feistritz annähernd gleich stark wie die FPÖ, die SPÖ dominiert. Ob er bereit sei, das Urteil des Verfassungsgerichtshofs in der Ortstafelfrage umzusetzen? Dass es umgesetzt werden muss, weiß der Bürgermeister, sagen will er das aber nicht: "Da würde ich ja Partei ergreifen." Also verlegt er sich auf Diplomatie: "Es ist besser zu warten, bis sich der Sturm wieder gelegt hat." Schließlich gibt es ja noch eine Menge Zeitzeugen, die den Ortstafelsturm '72 miterlebt haben.

"Symbole sind doch wichtig", sagt der zweisprachige Schuldirektor, "sonst bräuchten wir ja auch nicht Weihnachten zu feiern." In einem weiß er sich mit den meisten Feistritzern einig: "So, wie die sich das in Wien vorstellen, geht es auch nicht. Das Gemeinsame können nur wir selbst im Dorf mit Leben erfüllen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.12.2001)