STANDARD-Mitarbeiter Kurt Bernegger

Die Rede ist schon gewesen von den ersten drei Jahrzehnten der Tournee, das erste wurde jenes der Pioniere genannt, das zweite das skandinavische Jahrzehnt und das dritte das Jahrzehnt des Quantensprungs. 1974/75, nur zur Erinnerung, feierte das ÖSV-Team unter Baldur Preiml dank Willi Pürstl, Edi Federer und Karl Schnabl einen Dreifach-Erfolg, Pürstl siegte nebenbei in Oberstdorf, Schnabl von Garmisch bis Bischofshofen. Gesamtsiege gelangen auch Hubert Neuper 1980 und 1981. So konnte es nicht weitergehen, und deshalb ging es so nicht weiter.


Das vierte Jahrzehnt

Auch: Das Jahrzehnt der Leichtgewichte. 1982/83 bis 1991/92. Nykänen und Vettori wurden von Weißflog noch überboten.

Die "Milchgesichter", Weltmeister Matti Nykänen (Finnland) und der neue DDR-Leader Jens Weißflog, zwei Leichtgewichte, dominierten die Tourneen 31 bis 33, dann schaltete sich das Absamer Leichtgewicht Ernst Vettori ein und siegte 1986 (vor dem Oberösterreicher Franz Neuländtner) und 1987, bevor der 40-fache Weltcup-Tagessieger Nykänen 1988 seinen zweiten Gesamtsieg schaffte. 1989 bremste Risto Laakonen (Finnland) ohne Tagessieg die Favoriten aus, der erste V-Springer Jan Boklöv (Schweden) siegte am Bergisel und leitete damit ein neues Zeitalter ein.

Spätstarter Andi Felder forderte Weißflog vor dessen 3. Gesamtsieg 1990/91 heraus. Geteilter erster Platz in Garmisch, Pech am Bergisel, mit dem Sieg am Laideregg wurde Felder Gesamt-Zweiter. Mit einem hauchdünnen Tagessieg in Partenkirchen verhinderte der mutierte V-Springer Felder in der Olympia-Saison 1991/92, dass der erst 16-jährige V-Springer Toni Nieminen (Finnland) bei seinem Debüt auf allen vier Schanzen gewann. Nieminen siegte mit 69,1 Punkten Vorsprung auf die beiden jungen ÖSV-Springer Martin Höllwarth und Werner Rathmayr. Andi Goldberger war am Bergisel Zweiter. Bischofshofen präsentierte die neue moderne 120-m-Schanze - 70.000 Kubikmeter Erde waren bewegt worden.


Das fünfte Jahrzehnt

Auch: Das Jahrzehnt des V-Stils. 1992/93 bis 2000/2001. Rekordler Weißflog, ÖSV-Jubel dank Goldberger und Widhölzl.

Acht verschiedene Gesamtsieger, darunter drei erstmals für ihre Länder, das hatte es noch nicht gegeben. "Genauso wie der Kurzski im Slalom machte der V-Stil das Siegen leichter", erläutert Baldur Preiml das Phänomen. "Die Exoten holten auf." Jens Weißflog jagte mit neuer Motivation im BRD-Team den vierten Tournee-Sieg, der ihm erst 1996 mit 31 Jahren - zwölf Jahre nach seinem ersten Erfolg - mit einem Tagessieg am Laideregg gelang. Weißflog ist damit der ungekrönte "König der Tournee" und führt die "Ewige Rangliste der Tournee-Elite" (Tournee-Orden) überlegen mit 579 Punkten an.

Der erfolgreichste Springer der 90er-Jahre ist zweifellos der Waldzeller Andi Goldberger. Der Liebling der Zuschauer zog Massen zum Bergisel und zum Laideregg, errang zwei Gesamtsiege (1993 und 1995), fünf Tagessiege, sieben zweite Plätze und den Tournee-Orden mit Gold und Brillanten. Goldberger liegt mit 403 Tournee-Punkten auf Rang drei, nur noch 21 Punkte hinter Björn Wirkola, den er schon in den nächsten zwei Wochen überholen könnte.

Neue ÖSV-Siegspringer waren der Pongauer Reinhard Schwarzenberger (Oberstdorf 1994, Garmisch 1996) und Andreas Widhölzl (Bischofshofen 1999), der dann im Jahre 2000 in Garmisch, als erster Tiroler am Bergisel und auch in Bischofshofen siegte und damit den ersten Gesamterfolg im neuen Jahrhundert, den insgesamt neunten für Öster-reich feierte.

Vorher wurden neue Nationen in die Liste der Tournee-Gesamtsieger eingetragen. 1996/97 Slowenien mit dem jungen Primoz Peterka, im Olympiajahr 1998 Japan mit dem überragenden Kazuyoshi Funaki, der von Oberstdorf bis Innsbruck siegte und erst in Bischofshofen den "Grand Slam" verpasste. Im Vorjahr setzte der neue polnische Überflieger, der spätere Weltcupsieger und Weltmeister Adam Malysz neue Maßstäbe. Mit Note 1045,9 überbot Malysz als Erster die ominöse 1000-Punkte-Marke und sorgte mit 104,4 Zählern auch für den größten Abstand aller Zeiten auf den Zweiten. Preiml: "Wenn Malysz bei der Jubiläums-Tournee das hält, was er in den ersten Weltcup-Konkurrenzen versprochen hat, dann wird er der erste Sieger auf allen vier Schanzen!"