Wien - Die österreichische Industrie ging mit hohen Auftragsreserven und großen Erwartungen in das Jahr 2001. Die Hoffnungen auf eine Fortsetzung des Booms der vorangegangenen Jahre wurden aber enttäuscht, konstatierte der Industrieexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung, Karl Aiginger, im Gespräch mit dem STANDARD. Konnte im Jahr 2000 die Produktion noch real um 7,2 Prozent gesteigert werden, so fiel dieser Zuwachs im nun zu Ende gehenden Jahr auf 1,8 Prozent. Und im kommenden Jahr dürfte das Plus mit 1,5 Prozent noch magerer ausfallen.

Aiginger machte für diese Entwicklung vor allem die internationale Konjunkturabschwächung mit von Quartal zu Quartal sinkender Nachfrage verantwortlich. Ab den Sommermonaten sei diese sogar rückläufig gewesen.

Die Lohnstückkosten haben sich im Vergleich zu jenen der Handelspartner in den letzten Jahren drastisch verringert und werden erst im kommenden Jahr um bescheidene 0,2 Prozent steigen. Insgesamt habe sich die Wettbewerbsfähigkeit dadurch in den letzten sechs Jahren um 15 Prozent erhöht, merkte Aiginger an.

Österreich konnte durch Qualitätssteigerung innerhalb der Industriesektoren, durch erfolgreiche Exporte im Fahrzeugbereich und bei dauerhaften Konsumgütern heuer die Ausfuhren real um fünf Prozent steigern und bei einem Marktwachstum von drei Prozent weitere Marktanteile gewinnen. Dieser Trend sollte sich auch 2002 fortsetzen. Bei unverändertem Marktwachstum sollten die Exporte real um vier Prozent zunehmen. 5, 7 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr Der gesamte Produktionssektor (Sachgüterbereich/Bauwesen) in Österreich hat im September bei leicht rückläufiger Beschäftigung (minus 0,8 Prozent) 155,1 Mrd. S oder 11,3 Mrd. Euro umgesetzt. Das waren um 5,7 Prozent weniger als im September 2000, wie die Statistik Austria der APA am Freitag mitteilte. Im August hatte es noch ein leichtes Umsatzplus von 1,5 Prozent gegeben. Der Sachgüterbereich mit 577.000 unselbstständig Beschäftigten (plus 0,7 Prozent) lag im September mit einem Produktionswert von 131,2 Mrd. S nominell um 5,1 Prozent weit unter dem Vorjahreswert. Bei stark rückläufigen Auftragseingängen von 67,9 Mrd. S (minus 16,2 Prozent) hatten die Betriebe Ende September noch Auftragsbestände in Höhe von 263,7 Mrd. S (plus 8,9 Prozent). Im Bausektor erzielten die 4.661 Betriebe (minus 4,0 Prozent) mit insgesamt 182.000 unselbstständig Beschäftigten (minus 5,3 Prozent) einen um 5,3 Prozent niedrigeren Produktionswert von 22,7 Mrd. S. Per Monatsende lagen die Auftragseingänge mit 18,2 Mrd. S um 8,7 Prozent unter dem Vorjahr, während die verfügbaren Auftragsreserven mit 76,5 Mrd. S noch ein leichtes Plus von 2,5 Prozent aufwiesen. (jost, gb, Der Standard, Printausgabe, 28.12.01 und APA)