Nicht nur äußerlich scheint Benjamin Ben-Eliezer mit Ariel Sharon, seinem Koalitionspartner und zugleich Widersacher als Chef der anderen großen Partei, einiges gemein zu haben. Beide fallen durch den fülligen Körperbau auf, pflegen einen freundlich-hemdsärmeligen Umgangston, sind frühere Generäle, gelten in ihrer Bewegung als Falken - und über beide rümpfte man die Nase, als sie durch unvorhersehbare Fügungen und Fehlkalkulationen ihrer Rivalen plötzlich in Spitzenpositionen standen.

Wie Sharon, bevor er Ministerpräsident wurde, wird auch Ben-Eliezer nun nicht ganz ernst genommen und gilt als Übergangslösung. Auch in seinem Fall könnten aber Neuwahlen früher kommen, als man denkt, und für den jetzt 65-jährigen Vater von fünf Kindern die Tür zur Kanzlei des Premiers einen Spalt breit öffnen.

Es sieht zwar nicht so aus, als könnte die Arbeiterpartei bald wieder an die Macht kommen, die Enttäuschung über den von der Linken jahrelang als "Friedenspartner" verkauften Yassir Arafat ist zu tief. Genau das war der Grund, warum andere Hoffnungsträger der Partei, die weiter links angesiedelt sind als Ben-Eliezer, es vorzogen, diskret im Hintergrund abzuwarten und zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nach der Krone zu greifen. Doch die Stimmung kann auch leicht wieder umschlagen, wenn der Intifada schließlich doch der Atem ausgeht und wieder nach Verhandlungsansätzen gesucht werden muss.

Als Sohn eines reichen Kleiderhändlers im Irak geboren, kam Fuad - der ursprüngliche Vorname, den Ben-Eliezers Freunde bis heute verwenden - mit 14 Jahren nach Israel. In der Armee kämpfte er zunächst in einer Kommandoeinheit und wurde sechsmal verwundet, was auch die Narben im Gesicht bezeugen - im Generalsrang hatte er dann als Militärgouverneur und "Koordinator in den Gebieten" viel mit den Palästinensern zu tun.

Sein politischer Aufstieg begann, als er 1992 für Yitzhak Rabin erfolgreich den Wahlkampf managte und mit dem Bautenministerium belohnt wurde. Als Verteidigungsminister der Einheitsregierung scheint er jetzt mit Sharon bestens zu harmonieren.

Schon im Sommer erklärte Ben-Eliezer, Arafat habe "seine historische Rolle beendet"; als einer der ersten israelischen Minister hat Ben-Eliezer nach Beginn des Aufstandes gewarnt, dass der Palästinenserchef vorsätzlich "den Weg der Gewalt gewählt" habe: "Wir sind auf einem Kollisionskurs, das ist ein Krieg." Ben-Eliezer ist zwar kein brillanter Ideologe oder mitreißender Redner, aber mit seiner Mischung aus realistischem Sicherheitsdenken und Gesprächsbereitschaft steht er genau im Zentrum - dort, von wo aus Wahlen gewonnen werden. (derstandard,print-ausgabe,28.12.2001)