Noch mehr Sitcoms, Gerichtsshows, ein Abflauen der Quiz-Welle und das Ende von Reality-TV sehen führende Fernsehmanager für das kommende Jahr voraus. "Programmideen werden auch 2002 kopiert und geklaut, was die Zuschauer aber durchaus bemerken. Verstärken wird sich der Zuschauertrend zu authentischem Fernsehen, dorthin, wo er als Zuschauer und Nutzer ernst genommen und nicht nur berieselt wird", sagte ZDF-Intendant Dieter Stolte in einer Umfrage unter deutschen TV-Machern. Vor dem Hintergrund sinkender Werbeeinnahmen werden es insbesondere TV-Movies schwer haben, weil sie den Sendern weder zur langfristigen Bindung von Zuschauern dienen, noch eine schnelle Refinanzierung ermöglichen. Aus der wirtschaftlichen Betrachtung heraus werden hingegen langlaufende Programme wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", "Wer wird Millionär?" oder der "Tatort" 2002 noch stärker zum Erfolg der Sender beitragen. Der derzeitige Rückgang der Werbeerlöse sowie die immensen Programmkosten für die Fußballweltmeisterschaftsrechte werden die Programminvestitionen der privaten und öffentlich-rechtlichen Sender spürbar beeinflussen. Das wird die Lage gerade von kleinen und mittleren TV-Produzenten weiter verschärfen. "Spätestens 2002 werden viele Produktionsgesellschaften deutliche Umsatz- und Ertragseinbrüche registrieren", sagte Wolf Bauer, Chef der UFA Film & TV, des größten deutschen Produktionsunternehmens. Otto Meissner, selbstständiger Film- und Fernsehproduzent, prognostiziert: "Mancher, der mit hochfliegenden Plänen in diesem und im letzten Jahr gestartet ist, wird entweder dicht machen oder bei einem der Großen unterschlüpfen. Und selbst die, die schon länger am Markt und immer noch unabhängig sind, werden sich überlegen müssen, wie lange sie das noch verkraften können." Und Produzent Nico Hofmann von teamWorx ergänzt: "Nur die stärksten Anbieter mit den interessantesten Produktionen werden überleben. Wir werden eine starke Marktbeeinflussung erleben, in der sich auch der Generationsumbruch unter den Produzenten widerspiegeln wird." Mangelnden Mut der Sender, neue Wege zu gehen oder die Richtung deutlich zu bestimmen, beklagt Borris Brandt vom europäischen TV-Produzenten Endemol. "Man hat vom warmen Plätzchen her das Treiben beobachtet und sicher auch auf Grund der dramatischen Ereignisse im Herbst keine neuen Zeichen gesetzt." Auch Meissner kritisiert das Zaudern der Sender. "Die Unsicherheit darüber, was beim Publikum ankommt und was vielleicht nicht, wird sich nicht verflüchtigen. Die gab's immer schon. Doch was es kaum noch gibt, das sind Senderverantwortliche mit Visionen und Mut zum Risiko." Das will SAT.1-Chef Martin Hoffmann ändern: "Für SAT.1 kann ich jedenfalls versprechen, dass wir akzentuiert Neues wagen und unsere starken Marken frisch halten." (APA)