Kyoto - Auch Affen nehmen Drogen, um sich aufzumuntern und in Rauschzustände zu versetzen. Das ist laut Daily Telegraph der jüngste Befund von Michael Huffman (Primate Research Institute, Kyoto University); seit langem erforscht er, welche Heilpflanzen Tiere nutzen.Dass sie es tun, ist Gegenstand vieler Legenden. Bei den Navajo etwa hat sich der Glaube überliefert, Bären hätten sie den Gebrauch einer Wurzel gegen bakterielle Infektionen gelehrt. Ähnliche Geschichten gibt es aus Afrika, wo Mitte der 80er-Jahre erstmals auch Forscher Schimpansen dabei beobachteten, wie sie bestimmte Kräuter fraßen, die teilweise auch von Indigenen als Heilpflanzen verwendet werden. Die erste, einen Strauch (Vernonia amygdalyna), dessen bittere Blätter von Menschen gegen Parasiten wie den Malariaerreger genutzt werden, konnte Huffman 1988 bei Schimpansen dokumentieren. Eine zweite gab lange Rätsel auf: Schimpansen schlucken während der Regenzeit, wenn der Wurmbefall im Darm hoch ist, bestimmte Blätter im Ganzen. Sie kauen sie nicht und scheiden sie auch im Ganzen wieder aus. Der Anfangsverdacht - wurmtötende Wirkstoffe - ließ sich nicht bestätigen. Aber Huffman hat in den Faeces viele lebende Würmer gefunden und vermutet eine physikalische Wirkung: Die Würmer bleiben an den rauen Blättern haften, wenn diese den Darm passieren. Seitdem sucht Huffmans Organisation C.H.I.M.P.P. (Chemo-ethology of Hominoid Interactions with Medical Plants and Parasites) nach weiteren Pflanzen. Nun ist man bei Drogen fündig geworden: Schimpansen fressen aufputschende Samen von Kolabäumen, Gorillas graben nach berauschenden Wurzeln. Und beide greifen zu Alchornea floribunda, einer Pflanze mit aphrodisiatischer und halluzinogener Wirkung, die bei Kulthandlungen in Gabun verwendet, aber wegen ihrer Folgen gefürchtet wird: Sie kann zu schweren Depressionen und Wahnvorstellungen führen. Es gibt Berichte über Gorillas, die unter Drogeneinfluss in Angstzustände gerieten. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30. 12. 2001)