London - Noch unreife Zellen bereiten die Spermaproduktion schon im Hoden eines Embryos vor. Diese Erkenntnis eines Forscherteams des Londoner Medical Research Council verändert bestehende Konzepte über männliche Unfruchtbarkeit radikal. Bisher ging man vielfach davon aus, die Probleme begännen mit der ersten Samenproduktion in der Pubertät.Weit gefehlt, zeigen Untersuchungen an Mäuseembry- onen unter der Leitung von Paula Timmons. Zwar ist bekannt, dass ein Samen in wenigen Sekunden losschießen kann und 74 Tage davor heranreift. Nun wird aber zudem klar, dass so genannte Sertoli-Zellen in den Kanälen des Hodens für die - recht wesentliche - Anzahl der Spermien verantwortlich sind. Und diese Zellen begin- nen ihre Arbeit bereits in den ersten sechs bis neun Lebens- monaten - beim Menschen also in der Gebärmutter. Was den ganzen Samenzyklus in Gang setzt, ist noch nicht restlos erforscht. Für die Forscher ist aber klar, dass allfällige Probleme schon bei der Entwicklung der Hoden wurzeln dürften. Und dass hier eines Tages eine neue Behandlung ansetzen müsste. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30. 12. 2001)