Wien - Eigentlich. Das schöne an den Geschichten über Menschen, die auf ein langes Leben zurückblicken können, ist genau dieses Wort: eigentlich. Auch Ferdinand Welz sagt eigentlich. Weil er eigentlich ganz was anderes zu werden geplant hatte.

Aber: Wer geht schon mit dem Vorsatz ins Leben, die Zehnschilling- (oder irgendeine andere) Münze zu kreieren? Eben. Aber genau das hat der heute 86-jährige Welz getan. 1956. "Vor ein Paar Jahren hab' ich der Nationalbank gesagt, ich hätte ganz gerne zehn Prozent von jedem ,verkauften' Zehner. Die haben gelacht - und gesagt, da wäre ich vielfacher Milliardär."

Das ist heute. Vor 63 Jahren hatte Welz aber noch andere Pläne: Er wollte Bildhauer werden. Doch ein gewisser Adolf Hitler kam ihm dazwischen. "Der hat alles zunichte gemacht." 1938 hatte Welz nämlich gerade sein Studium an der Akademie der bildenden Künste beendet. "Dann war Krieg. Es gab kein Geld für Material und keinen Platz für Bildhauerei in meinem Leben." Darum hat er sich dem "Kleinen im Kleinen" zugewandt: den Medaillen, den Münzen und den Gravuren. "Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Deshalb habe ich vor meinem Hochschulstudium eine Graveur- und Zieseleurlehre gemacht."

Doch auch nach dem Krieg blieb der Margaretner mehr bei der kleinen Gravur denn bei der großen Skulptur: Holzmeister und Wotruba beriefen ihn als Medailleur- und Kleinskulpturprofessor an die Angewandte, 1970 wurde Welz deren Rektor.

Das bekannteste Werk

Der Zehner, ist der 86-Jährige bis heute stolz, war sein bekanntestes Werk - auch wenn kaum jemand das Gesicht zu dem kleinen Schriftzug auf der Münze mit der Goldhaubenträgerin aus der Wachau je gesehen oder in der Erinnerung parat hat. Und auch wenn kaum ein Benutzer der 6,20 Gramm schweren Münze aus Kupfer und Nickel (75 zu 25 Prozent) sich dabei mit dem Terminus "Kunst im Alltag" auseinander gesetzt hat. Und auch wenn kaum jemand weiß, dass Welz nicht nur für das Gesicht der 26 Millimeter großen Zehner, sondern auch für die Nummernseite des 50-Groschen-Stückes sowie das Edelweiß-Motiv auf der Schillingmünze - was der Währung auch die Bezeichnung "Alpen-Dollar" einbrachte - verantwortlich zeichnete. Ob es ihm weh tut, dass sein Beitrag zur monetären österreichischen Identität ("Ich weiß gar nicht, wie hoch die Auflagen waren.") nun aus dem Alltag verschwinden wird?

Ferdinand Welz lacht: "Nein. Ich bin doch in so vielen Sammlungen, Museen und Kollektionen auf der ganzen Welt vertreten - da kann ich das schon verkraften." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.12. 2001/1.1. 2002)