Wien - 2002 wird ein "Jahr des Heilens", konstatiert ein 59-köpfiges Expertengremium für das Wirtschaftsmagazin Business Week: Schon in den nächsten Monaten soll die als sanfte Landung charakterisierte Rezession die Kräfte für eine anschließende Erholung freisetzen und ab dem zweiten Quartal wieder Wachstum erzeugen. Aber der Aufschwung nach der zehnten US-Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg soll ebenso atypisch vorsichtig verlaufen, wie die jetzige Abschwung atypisch verlief, sagen die Wirtschaftsgurus. Eine Rückkehr zu vier- bis fünfprozentigem Wachstum wie in den Boomjahren sei ebenso wenig in Sicht wie Kursgewinne um 30 oder mehr Prozent. 2002 soll über den Jahresschnitt 2,5 Prozent Plus bringen, nach einem mageren einprozentigem US-Wachstum im Gesamtjahr 2001.

"Die jetzige Rezession unterscheidet sich deutlich von früheren, da sie eine Rezession vor allem im Unternehmensbereich ist", diagnostiziert William C. Dudley der Investmentbank Goldmann, Sachs & Co. Unternehmen hätten in den Boomjahren überinvestiert und dementsprechend jetzt ihre Aufwendungenn zurückgeschraubt, was zu Rückgang und Preisverfall geführt habe. Hingegen hätten sich Konsumenten als relative Konstante behauptet. Üblicherweise würden sich Rückgänge bei Unternehmen und im Privatverbrauch wechselseitig verstärken. (spu, Der Standard, Printausgabe, 31.12.2001)