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Foto.EPA/Kitamura
Hamburg - Erstmals sind in diesem Jahr mehr Musik-CDs privat gebrannt als im Handel verkauft worden. Die Musikwirtschaft rechnet deshalb mit einem Umsatzrückgang von zehn bis 15 Prozent und mit zahlreichen Stellenstreichungen, wie der Vorsitzende der Phonoverbände, Gerd Gebhardt, in einem Interview der Nachrichtenagentur AP mitteilte. Zum Jahresende werden laut Gebhardt etwa 190 Millionen CD-Rohlinge privat mit Musik bespielt worden sein. So viele CDs verkaufte die Musikwirtschaft im Vorjahr noch selbst. "Das Problem ist, dass es sehr einfach ist, einen exakten Klon unseres Produktes herzustellen", klagte Gebhardt. Die technischen Möglichkeiten würden in einer Form genutzt, die der Musikwirtschaft nicht recht sein könne: "Wir werden im Prinzip durch die Technik enteignet." Selbst wenn nur knapp 30 Prozent der 190 Millionen selbstgebrannten CDs der Musikwirtschaft direkt an der Kasse verloren gingen, "sprechen wir da über eine Summe, die weit in die Milliarde geht. Und das ist für alle Beteiligten - Hersteller, Künstler, Komponisten und Autoren - ein Riesenverlust." Mahnungen sinnlos Zur Bekämpfung des CD-Brennens setzt Gebhardt mittlerweile nicht mehr nur auf Aufklärung der Öffentlichkeit, wie beispielsweise bei der vor zwei Jahren angelaufenen Kampagne "Copy kills Music". Mahnungen und Verbote führen bei Jugendlichen zu nichts, das ist wie beim Rauchen", erklärte er. Wichtiger sei es, bei Politikern und anderen direkt Beteiligten Gehör zu finden. Zudem statten viele Musikfirmen ihre Produkte mit einem Kopierschutz aus, um das Brennen von CDs auszuschließen oder zumindest erheblich zu erschweren. Vor allem mit gesetzlichen Maßnahmen will die Musikwirtschaft aber beispielsweise denen das Handwerk legen, die in Fachzeitschriften genau erklären, wie Schutzfunktionen umgangen werden. "Für uns ist das wie eine Aufforderung zum Diebstahl", erklärte Gebhardt. Das System der Musikwirtschaft könne nicht mehr funktionieren, wenn das Brennen von CDs nicht baldmöglichst erheblich erschwert werde. Wir können nur dann neue und junge Künstler aufbauen, wenn der Rücklauf funktioniert und wenn wir das, was wir einsetzen, wieder rauskriegen", betonte Gebhardt. Es sei aber sehr schwierig, den Menschen klar zu machen, "dass Musik nicht vom Himmel fällt."(APA/AP)