Atlanta/Innsbruck - Gigantische Teilchenbeschleuniger wie jener des CERN in Genf (Umfang: 27 km) haben einen kleinen Bruder bekommen. Physiker des Georgia Institute of Technology entwickelten einen nur zwei Zentimeter großen Atomspeicherring, der die Flugzeugnavigation entscheidend verbessern könnte.Der "Nevatron" getaufte Winzling ermöglicht erstmals kontinuierliche Atomstrahlen höchster Qualität, wie sie für die Atomoptik benötigt werden. Diese verwendet statt Licht ultrakalte, sich langsam bewegende Atome, wie sie Nevatron erzeugt. Bisher wurden in Flugzeugen für die Rotationsmessung Lasergyroskope verwendet. Die viel präziseren atomoptischen Geräte könnten diese bald ersetzen. Das Kernstück des Nevatrons sind zwei stromführende Kupferdrähte, um die herum sich jeweils ein Magnetfeld bildet. Wo sich die beiden Felder überlappen, entsteht ein "Loch", in dem die Atome gefangen werden. "Das Faszinierende daran ist, dass die Beschleunigertechnologie - normalerweise im Hochenergiebereich angesiedelt - hier auf den viel kleineren Energiemaßstab der ultrakalten Atome trifft", kommentiert Rudolf Grimm, Experimentalphysiker der Uni Innsbruck, die Entwicklung. Mit dem Nevatron könnten neutrale Atome auch auf Quantenniveau manipuliert werden - ein weiterer Schritt in Richtung Quantencomputer. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6. 1. 2002)