Istanbul/Berlin - Ein türkisches Oberkommando über die internationale Friedenstruppe für Afghanistan (ISAF) wird immer wahrscheinlicher. Wie am Mittwoch aus Kreisen der Regierungskoalition in Ankara bekannt wurde, will die Türkei trotz finanzieller Probleme im Frühjahr die Führung der ISAF-Truppen in Kabul übernehmen. Wegen der angespannten Wirtschaftslage hatte Ankara bisher eine offizielle Zusage für die Übernahme des ISAF-Kommandos vermieden. "Auch die finanzielle Seite wird gelöst", gab ein führender Außenpolitiker im türkischen Parlament bekannt. Danach wird das Land am Bosporus bis zu 50 Prozent der Kosten für den Einsatz selbst übernehmen. Fehlende "Fähigkeiten" Deutschland hingegen verzichtet laut Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) auf eine Führungsrolle in Afghanistan. Angesichts der Diskussion über eine mögliche Führungsrolle Deutschlands verwies Scharping auf fehlende "Fähigkeiten" der Bundeswehr. "Wir streben die Führungsrolle nicht an", fügte er hinzu. Derzeit gehören der Schutztruppe 2500 Soldaten an, bis Ende Februar soll sie auf 4500 Mann erweitert werden. Nach Schätzung von UNO-Experten wären 30.000 Mann notwendig. In Kabul befindet sich zurzeit ein 260 Soldaten starkes deutsches Vorauskommando, auch zwei Österreicher sind dabei. Vorgesehen sind insgesamt rund 800 Bundeswehr- und etwa 60 Bundesheer-Soldaten. (APA)