Gegen Ende des 6. Jahrhunderts, als die germanischen Langobarden aus Pannonien abgewandert waren, begann die Besiedlung dieses Raums durch slawische Stämme. Das Gebiet, in dem die Vorfahren der Slowenen - in deren Volksnamen der alte Stammesname der Slawen festgehalten blieb - vordrangen, war wesentlich weiträumiger als ihre heutigen Wohnsitze. Aus der pannonischen Tiefebene kommend, erreichten sie bald das Murbecken und das Kärntner Zoll- und Lurnfeld, einzelne Sippen wanderten die Alpentäler hinauf bis zum obersten Pustertal im Westen, an Mur, Mürz und Enns nach Norden und zum Tagliamento in Friaul oder breiteten sich nach Süden in die Carniola, die später von ihnen den Namen Krain (Grenzland) bekam, aus.Die slawische Wanderung in den Alpenraum erfolgte teils als Rückzug vor dem in Pannonien eingefallenen asiatischen Reitervolk der Awaren, teils auch in deren Gefolge, denn zeitweise mussten sich Slawenfürsten dem Khaghan, dem awarischen Anführer, unterwerfen und sich an dessen Kriegszügen beteiligen. Nach der Christianisierung der Bayern wurde die von Salzburg ausgehende Slawenmission im Alpenraum zu einem Element zunächst der politischen Einbindung der Slawenfürsten, dann auch der Kolonisation durch deutsche Neusiedler. Im späten 7. Jahrhundert entstand, mit dem Kärntner Zollfeld als Zentrum, ein slawisches Fürstentum Karantanien. Als erster Herrscher wird ein Fürst Boruth ("der Kämpfer") genannt, der um 741 die wieder erstarkten angreifenden Awaren zurückschlug. Sein Land umfasste ungefähr das heutige Kärnten und den Großteil der Steiermark und reichte im Norden über den Alpenhauptkamm hinaus ins Ennstal und bis zur Schwarza in Niederösterreich. Aus den Quellen nicht zu erschließen ist, ob es im Süden auch Krain und Ostfriaul umfasste, doch wird dies von einigen Historikern angenommen. Boruth hatte den Bayern seinen Sohn Cacatius als Geisel stellen müssen. Als der Fürst starb, durfte jener auf Verlangen der Karantanen in die Heimat zurückkehren und wurde neuer Fürst. Das deutet darauf hin, dass die Alpenslawen bereits von der freien Wahl des Herzogs auf die Erbfolge übergegangen waren. Auf Cacatius folgte dessen Cousin Cheitmar. Nach späteren Überlieferungen soll die Einsetzung des Herrschers bereits in jener Zeit auf dem Fürstenstein, der umgedrehten Basis einer römischen Säule, erfolgt sein. (Um die Verwendung des Fürstensteins, der sich im Kärntner Landesmuseum befindet, auf einer Banknote des neuen Slowenien kam es in den Neunzigerjahren zu einem Streit.) Die Inthronisierung, später unter Einbeziehung des "Herzogsstuhls" auf dem Zollfeld, lief nach einem Ritual ab, das bis 1414, als der Habsburger Ernst der Eiserne Herzog von Kärnten wurde, geübt wurde. Ein Bauer durfte dabei den Herzog in slawischer Sprache "prüfen". Im Jahr 819 begann im südöstlichen Grenzraum ein Slawenaufstand gegen die fränkische Oberherrschaft. Karls Sohn Kaiser Ludwig der Fromme musste seine Heere von Bayern und Friaul aus in drei Feldzügen gegen den rebellischen Liudewit schicken, bis dieser aufgab. Zeitweise stießen "gottlose Slawen" bis in den Pongau vor und zerstörten dort die Maximilianszelle, eine Missionsstation. Der Kaiser führte, um die slawischen Gebiete zu befrieden, 828 die fränkische Grafschaftsverfassung ein. Auch Krain bekam einen bayrischen Markgrafen. Von nun an galt das bayrische Volksrecht, die Adelsherren wurden, soweit sie sich nicht anpassten, durch Franken und Bayern ersetzt, Kirchen und Klöster erhielten reichen Landbesitz und holten bäuerliche deutsche Siedler ins Land. Das slowenisch besiedelte Unterpannonien bekam noch einmal einen slawischen Fürsten, als Priwina, aus Nitra im entstehenden Großmährischen Reich vertrieben, als fränkischer Lehensnehmer die Grenzwacht gegen die Mährer und die aus dem Osten kommenden bulgarischen Reiternomaden betreute. Priwinas Sohn Kocelj versuchte der Bevormundung durch die fränkische Kirche dadurch zu entgehen, dass er den Slawenapostel Methodios, der zusammen mit seinem Bruder Kyrill-Konstantios wegen Anfeindungen durch die fränkischen Bischöfe Mähren hatte verlassen müssen, in seine Residenz Moosburg am Plattensee einlud. Nach einem Streitgespräch in Venedig, in dem er erfolgreich die von ihm und seinem Bruder angewandte slawische Kirchensprache verteidigte, ernannte ihn Papst Hadrian II. zum päpstlichen Legaten für die Christianisierung der pannonischen und mährischen Slawen und zum Erzbischof. Die bayrischen Bischöfe betrachteten dies als Eingriff in ihre Rechte, aus Salzburg kam ein Sonderbotschafter zu Kocelj und drang in ihn, Methodios auszuweisen. Als dies vergeblich blieb, gelang es den Bayern, den Slawenapostel gefangen zu nehmen und zwei Jahre lang in Schwaben festzuhalten. Erst der Papst erreichte schließlich seine Freilassung, doch untersagte er ihm den Gebrauch der slawischen Messe. Kocelj hätte ihn gern wieder ständig in Moosburg gesehen, doch nun war ihm nur noch in Mähren bis zu seinem Tod (885) die Missionstätigkeit erlaubt. Die Bischöfe, die so bedacht waren, Pannonien als Teil des bayrischen Ostlandes unter ihrer Obhut zu halten, mussten dieses doch sehr bald verloren geben. Bei Preßburg wurde der bayrische Heerbann im Jahr 907 von den in die Donau-Theiß-Tiefebene eingedrungenen Magyaren so vernichtend geschlagen, dass das gesamte von Karl dem Großen geschaffene Ostland bis an die Enns aufgegeben werden musste. Aus Pannonien wurde in den folgenden Jahrzehnten die neue, bleibende Heimat der Ungarn. Das war das Ende des pannonischen Slowenentums. Zwischen die Slawen, die sich vordem über das ganze östliche Europa von der Ostsee bis zum Peloponnes ausgebreitet hatten, schob sich der Keil des nun aneinander grenzenden deutschen und ungarischen Volkstums. Und dort, wo Slowenen weiterhin lebten, vor allem in dem sich im 10. Jahrhundert mächtig ausdehnenden Reichsherzogtum Kärnten, das vom Gardasee bis über die Mur und von der Ennsmündung bis Istrien reichte, waren der König der Deutschen, sein Adel und seine Kirche die Herren. (DER STANDARD-ALBUM, Print-Ausgabe, 2./3. 2. 2002)