Wien - Frühling im Herbst - "Operation Spring", die Anfang Mai nach einem Lauschangriff gestartete Polizeiaktion, fand am nebeligen Dienstagmorgen mit einer neuerlich großen Drogenrazzia in Wien ihre Fortsetzung: Im Gesellenheim Zohrmanngasse in Wien-Favoriten und in mehreren von einem Verein vermieteten Wohnungen in Wien-Hernals wurden 36 mutmaßliche Dealer festgenommen, ein halbes Kilo "Gift" (Heroin und Kokain) sowie 400.000 Schilling (14.500 EURO) sichergestellt. Alle Festgenommene sind Schwarzafrikaner, die meisten nach eigenen Angaben minderjährige Asylwerber. Laut Walter Schubert, dem Chef der Wiener Kriminalpolizei, waren mehr als 150 Beamte im Einsatz; die Haftbefehle seien vom Wiener Jugendgericht und vom Straflandesgericht ausgestellt worden. Nach mehreren Verdächtigen wird noch gefahndet. Heimleiterin droht Suspendierung Obwohl die erfolgreiche Polizeiaktion im Gesellenheim (für obdachlose und "schwierige" Jugendliche) mit dem zuständigen Jugendamt abgesprochen war, droht der Heimleiterin eine Suspendierung. Die engagierte Frau hatte sich immer wieder um jugendliche Asylwerber gekümmert. Unter anderem zeigte sie auch die fragwürdigen Handwurzelknochenröntgen zur Bestimmung des Alters von Asylwerbern auf - DER STANDARD berichtete. Gegen die Leiterin wurden disziplinarrechtliche Schritte eingeleitet, weil mehrere der nun Verhafteten nicht offiziell angemeldet waren. "Sie soll mit Zwangspension bestraft werden, weil ihre Menschlichkeit ausgenützt wurde", so ein Sozialarbeiter. Polizei liefert FPÖ vertrauliche Informationen Für Aufregung sorgte außerdem eine FPÖ-Aussendung zu der Amtshandlung, die noch vor der Bekanntgabe der Ermittlungen erfolgt war. "Wieder einmal ein Beweis dafür, dass die Polizei den Freiheitlichen geheime Informationen liefert", so LiF-Gemeinderat Marco Smoliner. Dass der Suchtgiftszene nach der herbstlichen Frühlingsoperation nun ein Winter ohne "Schnee" bevorstehen könnte, glauben die Fahnder nicht. Major Thomas Stecher: "Die Szene wird sich erneuern und verlagern. Bisher wurde immer auf eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz Wert gelegt." Grüne Kritik an Polizeiaktion Nach derer Drogenrazzia der Wiener Polizei, bei der rund drei Dutzend mutmaßliche Dealer festgenommen worden sind, kam am Mittwoch Kritik von den Grünen. Die Probleme im Gesellenheim Zohmanngasse in Favoriten, wo ein Großteil der Verdächtigen gewohnt hatte, seien der zuständigen Magistratsabteilung 11 bekannt gewesen, so die Wiener Gemeinderätin Susanne Jerusalem. Gemeinderat Peter Pilz wiederum wies auf die zeitliche Nähe der Polizeiaktion zur Nationalratswahl hin. "Das Problem 'Gesellenheim Zohmanngasse' war in der Leitung der MA 11 seit Jahren bekannt, niemand wollte sich aber darum kümmern", kritisierte Jerusalem. Nach Meinung der Grünen soll die Heimleiterin weder suspendiert noch zwangspensioniert werden. "Nicht einmal die Polizei gibt ihr die Schuld daran, dass in ihrem Haus bei einer Razzia Drogen gefunden wurden. Die Tatsache, dass nicht alle Bewohner angemeldet waren, kann nicht der Heimleiterin angelastet werden." Jerusalem: "Die Gesetzeslage treibt viele Menschen in die Illegalität. Folglich sind Einrichtungen wie das Gesellenheim Zohmanngasse die wenigen Zufluchtplätze. Dafür tragen ausschließlich Innenminister Schlögl und Sozialstadträtin Laska, die sich seit Jahren nicht auf die Unterbringung der Asylwerber einigen konnten, die Hauptverantwortung." Pilz: "Während die Wäsche der Drogengelder in Österreich immer noch Augen zwinkernd toleriert wird, kommt es jetzt schon zum zweiten Mal kurz vor einer Wahl zu einem rassistisch gefärbten Einsatz der Polizei." Jedem Verdacht auf organisierte Drogenkriminalität müsse konsequent nachgegangen werden. Aber niemand dürfe "den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität für seinen Wahlkampf missbrauchen". Als "rassistisch" bezeichnete unterdessen der LIF-Politiker Marco Smoliner die Ausssagen des Wiener FPÖ-Obmannes Hilmar Kabas, der eine härtere Vorgangsweise gegen Drogendealer gefordert hatte. "Die Behauptung, dass ein Großteil der Drogenhändler schwarz ist, hat eben so viel Aussagekraft wie jene, dass ein Großteil der Kinderschänder katholisch ist", meinte der liberale Wiener Gemeinderat. (APA/simo) )