Wien - Infrastrukturministerin Monika Forstinger ist angeschlagen. Eine Fußverletzung. Mühsam humpelte sie zur FPÖ-Klausur - und betonte, dass es politisch keine Verletzungen gebe: "Verstimmungen? Kann ich mir nicht vorstellen." Mit dieser Meinung stand Forstinger ziemlich alleine da. Verlief doch die Regierungsklausur, zu der sich die FPÖ am Mittwoch ins Büro von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer zurückgezogen hatte, alles andere als konfliktfrei.Die Frage der Steuerreform sorgte für Unstimmigkeit: Während Finanzminister Karl-Heinz Grasser bremste, drängten andere auf eine Steuerreform 2003. "Für die Leute ist es wichtig, dass nach Belastungen nun Entlastung kommt", gab Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider die Linie vor. Und hatte schon Ideen: Die Flat Tax könne er sich vorstellen, oder eine Anhebung des Steuerfreibetrages von 10.900 auf 14.353 Euro. "Ein möglicher Weg, weil es für den untersten Einkommensbereich ein deutlicher Effekt wäre", kommentierte Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer im STANDARD-Gespräch. Klar sei: "Eine erste Etappe der Steuerreform muss 2003 kommen. Der Wähler muss ja die Sicherheit haben, dass das nicht nur Versprechen auf Luft sind. Ein erster Beweis muss noch diese Legislaturperiode angetreten werden." Grasser ließ sich nicht umstimmen So stark der Druck von Teilen der FPÖ-Riege auch war - Grasser blieb bei seiner Meinung: "Aus heutiger Sicht können wir uns eine Steuerreform nicht leisten. Steuerreformen, die sich der Staat nicht leisten kann, haben die alten Regierungen genug gemacht." Auch er wolle die Abgabenquote senken, auf unter 40 Prozent - ob damit im Wahljahr 2003 begonnen werde könne, sei fraglich. Um eine Chance darauf zu haben, verordnete er allen Ressorts eine strikten Sparkurs. Eine Linie, mit der Grasser Klubchef Peter Westenthaler - dieser beharrt auf Steuerentlastungen für 2003 - verärgerte. Grasser ist nicht der Einzige, mit dem Westenthalers Verhältnis derzeit getrübt ist: Auch mit Haider hängt der Haussegen schief. Dass Westenthaler bei der FPÖ-Klausur nicht erschienen war, ließ dann gleich die Gerüchteküche hochkochen: Der Klubchef habe seinen Rückzug angedroht, glaubten die einen zu wissen. Andere wollten von einer Ablöse Westenthalers gehört haben - und dass er zur Klausur doch hinzitiert worden sei. "Blödsinn", dementierte ein hoher FPÖ-Funktionär: "Westenthaler ist zu machtbewusst, um den Klubchef abzugeben. Und es gibt keine Alternative zu ihm." - Jedenfalls kam Westenthaler dann doch zur Klausur. Grasser war es, der das Verhältnis Haider - Westenthaler schön redete: "Die beiden haben sich beim Villacher Fasching sehr gut verstanden." (eli, stein, derstandard, print-ausgabe, 7.2.2002)