Im Umgang mit politischen Begehrlichkeiten will der neue Informationsdirektor des ORF, Gerhard Draxler, "auf Konsens und nicht auf Krieg" abzielen. "Es geht darum, eine neue Gesprächskultur zu finden, und ich werde alles, was in meiner Macht steht, daran setzen, diese Gesprächskultur zu fördern", erklärt er im APA-Interview. "Das ORF-Gesetz sieht die Verpflichtung zur Unabhängigkeit vor, und diese Verpflichtung ist absolut ernst zu nehmen", betont Draxler. Das Dauerbrenner-Thema der politischen Interventionen möchte er nicht breit diskutieren, da es gelte, einen neuen Stil zu finden. "Die ORF-Journalisten sind nicht fehlerfrei, und auch die Politiker sind es nicht. Gegenseitige Schuldzuweisungen und Aufrechnungen bringen uns überhaupt nicht weiter und gefährden den Qualitätsstandard des ORF-Journalismus." "Nichts gewusst" Hartnäckig hält sich in den Medien Draxlers Charakterisierung als jener Landesintendant - vor seiner Bestellung zum Informationsdirektor war er Chef des ORF-Kärnten - der das berüchtigte "Selbstinterview" von Landeshauptmann Jörg Haider (F) auf Sendung ließ. Zu diesem Zeitpunkt sei er im Ausland gewesen, hält er dazu fest. "Ich habe schlicht und einfach davon nichts gewusst." Darüber hinaus habe es sich um einen O-Ton, und kein Interview gehandelt, "und da gibt es einen gravierenden Unterschied". Er bleibe bei seinem Standpunkt in dieser Causa, bekräftigte Draxler: "Die Optik ist schief, das Ergebnis ist journalistisch korrekt." Schließlich hätten die Redakteure die Authentizität des Materials überprüft und einer SP-Landesrätin die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. "Es ist eine Ausnahme und rechtfertigt die mediale Hysterie, die es danach in Österreich gegeben hat, und die Angriffe und Untergriffe gegen meine Person ganz sicher nicht." "Werden uns bemühen" Die ORF-Information ist für Draxler "eine österreichische Erfolgsstory". Sie sichere "österreichische Identität auch in der Information und dadurch die Attraktivität des ORF-Programms, weil die Information das Herz und das Kernstück dieses Programms ist". Dem neuen Rundfunkgesetz, das den öffentlich-rechtlichen Auftrag noch stärker als bisher beachte, werde in der ORF-Information Rechnung getragen werden. "Wir werden uns alle bemühen, diesem Auftrag gerecht zu werden, nämlich die Unabhängigkeit, die Objektivität, die Ausgewogenheit und die Fairness in der Berichterstattung vielleicht noch um eine Spur höher anzusetzen als das dort und da der Fall war." Ohnehin aber sei die ORF-Information "gekennzeichnet durch eine hohe Qualität vor allem auch in Krisensituationen. Diesen Stellenwert wollen wir absolut beibehalten." Sendungen einstellen "nicht akut" Die Informationssendungen des ORF sollen vor allem "inhaltlich gestärkt" werden, erklärt der neue ORF-Informationsdirektor Gerhard Draxler im Interview mit der APA. Den Start von österreichweitem Privat-TV werde man sich "ganz genau anschauen" und entsprechende Maßnahmen treffen. "Wir werden agieren, bevor wir zum Reagieren gezwungen werden", so Draxler. "Die ORF-Information ist der Schlüssel zum Erfolg für das gesamte Programm, und wir werden die entsprechenden Maßnahmen setzen, um auch hier konkurrenzresistent zu werden." An welche Maßnahmen genau hier gedacht werden, "kann und will ich heute noch nicht sagen". Nicht auf "politischen Zuruf" Für die Sendungen des Aktuellen Dienstes "kann es je nach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur darum gehen, die Information zu stärken und auszubauen", meint Draxler. Vor allem eine zeitliche Ausweitung etwa der "Zeit im Bild"-Sendungen müsse sich aber am vorhandenen Budget orientieren. Die Abstimmung darüber wäre außerdem Sache des Stiftungsrats, der das ORF-Programmschema bewilligen muss. "Es gibt ja keinen akuten Handlungsbedarf, sofort eine Sendung auszuweiten, eine neue einzuführen oder eine einzustellen", verweist Draxler auf "lange Vorlaufzeiten". Keine solcher Maßnahmen werde man aber "auf politischen Zuruf" treffen: "Es würde Chaos herrschen, wenn wir allen politischen Zurufen nachgeben würden." Der freiheitliche Klubobmann und Mediensprecher Peter Westenthaler hat wiederholt massive Kritik an der "Zeit im Bild 3" geübt und deren Abschaffung gefordert. "Über die Änderung eines Programmschemas entscheidet der Stiftungsrat", so Draxlers Kommentar. "Gesamtkunstwerk" ORF Zu Personalfragen hält er sich bedeckt. Das Gerüchtekarussell über die Besetzung der redaktionellen Schlüsselpositionen im Informationsbereich dreht sich auf Hochtouren. Dazu Draxler: "Ich kenne keine Führungskraft, die in der Öffentlichkeit über Personalfragen redet. Wenn es hier Handlungsbedarf gibt - und ich kenne ihn nicht, zumindest aus heutiger Sicht - dann müssen die entsprechenden Konsequenzen daraus gezogen werden." Dies sei Sache der Geschäftsführung und könne keine singuläre Entscheidung sein, betont Draxler: "Der ORF ist ein Gesamtkunstwerk."