Graz - Am Ende der Neunziger konnte sowohl im Bereich der Bildenden Kunst als auch innerhalb der Popmusik ein verstärktes Interesse am lange Zeit diskreditierten Thema "Avantgarde", seiner Begriffsbildung und künstlerischen Praxis beobachtet werden.
Secret Histories Of Art, Pop, Life, And The Avantgarde
Vor diesem Hintergrund wurden Ende 1998 in Berlin, London und Chicago drei Arbeitsgruppen mit dem Auftrag gegründet, die Veranstaltungsreihe "Re-Make/Re-Model – Secret Histories Of Art, Pop, Life, And The Avant-garde" zu konzipieren. Unter Beteiligung international renommierter ExpertInnen finden im Rahmen des steirischen herbstes '99 über vier Wochenenden hindurch Ausstellungen, Konzerte, Symposien, Lesungen, Filmvorführungen und Performances statt:
  • Ausstellung: Mike Kelley: Cross Gender / Cross Genre
Ansatzpunkt der von Mike Kelley kuratierte Ausstellung ist das Phänomen der Hippies/Blumenkinder, das seinen Ursprung in der amerikanischen Anti-Vietnam-Bewegung hatte.
Geschlechterdiskurs als Teil des politisch, ästhetischen Dialogs
Cross Gender / Cross Genre konzentriert sich auf die Zeit von der Mitte der 60er bis zur Mitte der 70er Jahre, als der Geschlechterdiskurs Teil eines allgemeinen politischen und ästhetischen Dialogs wurde. Diese Periode ist von besonderem Interesse, weil viele der später im spezifischeren Kontext feministischer, homosexueller und anderer Identitätsdiskurse entwickelten Themen hier in bunter Vielfalt auftraten und ein verwirrendes und undefinierbares Durcheinander sich vermischender Ansätze bildeten.
Aufgehoben ? Grenze zwischen Leben und Kunst
Die Ausstellung besteht vornehmlich aus Dokumentarphotographien, Ephemera wie Posters und Büchern sowie "illustrativen" Kunstwerken, die Theaterproduktionen und selbst-bewußten Lebensstil dokumentierten oder aufzeigten. In dieser Zeit wurde bewußt versucht, die Grenze zwischen Leben und Kunst aufzuheben. Wann: 25. 9. - 24. 10. Wo: Palais Attems Sackstraße 17 8010 Graz
  • Cross Gender / Cross Genre : The Films of Jack Smith
Jack Smith – herausragender Filmemacher, radikaler Fotograf, bahnbrechender Performancekünstler und Idol der Schwulenszene: Von den späten 50er Jahren bis zu seinem AIDS-Tod im Jahr 1989 fanden vor allem seine Film- und Performance-Arbeiten Anerkennung. Smith - innovativ und eigenwillig - erforschte und entwickelte eine trügerisch frivole Camp-Ästhetik. Er verknüpfte die hohe Kunst mit Anspielungen auf B-Movies und kritischen Stellungnahmen zu politischen und sozialen Fragen.

Erste zusammenhängende Schau in Europa

Mit "Re-Make/Re-Model" gelingt es erstmals, Jack Smiths Filme in Europa zusammenhängend aufzuführen. Da einige Werke erst in diesem Jahr rekonstruiert werden konnten, handelt es sich um die bislang vollständigste Retrospektive und versteht sich als Fortführung und Erweiterung der Reihe "Jack Smith and his Secret Flix", die Ende 1997 im American Museum of the Moving Image, New York, zu sehen war. Wann: 27. 9. - 6. 10. Wo: Schubert-Kino, Saal 3 Mehlplatz 2 8010 Graz